Aus der neuesten Studie zum LinkedIn-Algorithmus wird deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel von organischen Beiträgen, bezahltem Content (Werbeanzeigen) und der Unterstützung durch Markenbotschaftende für Unternehmen ist.
Der neueste Report von Richard van der Blom hat mit seiner neuesten Studie 1,3 Millionen Beiträge, 50.000 Personen-Profile und 30.000 Unternehmensseiten analysiert (bis Februar 2026). Veröffentlicht wurde der umfangreiche Bericht am 29. April 2026. Was kam dabei heraus: Kurz gesagt, ist es leider nach wie vor für Unternehmensseiten nicht leicht, in die Sichtbarkeit zu kommen.
Die organische Reichweite von Seiten ist auf 1,6 % der Feed-Verteilung begrenzt. Beiträge von Mitarbeitenden (Markenbotschaftenden) hingegen konkurrieren um 65 %. Dennoch investieren die meisten Unternehmen/ Entscheider ihr Budget weiterhin in die falsche Richtung.
Folgende Fakten habe ich aus dem Report herausgelesen:
- Ein Beitrag einer Unternehmensseite erreicht im ersten Schwung etwa 1,6 % der Follower. Eine Zahl, die letztes Jahr schon schockierend klein war.
- Die Netzwerke der Mitarbeitenden sind im Schnitt rund 10-mal größer als die Followerliste des Unternehmens.
- Wenn ein Mitarbeitender innerhalb von 60 Minuten nach Veröffentlichung interagiert, steigt die Reichweite des Unternehmensbeitrag um +72 %.
- Unternehmen, die die gesamte Sichtbarkeit ihres Netzwerks messen, erzielen eine 3,8-mal höhere Kampagnenreichweite als jene, die nur die Reichweite der Unternehmensseite alleine betrachten.
Die Unternehmensseite liefert das Signal. Die Menschen sorgen für die Verbreitung. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Seite eine klare, genug inhaltliche Ausrichtung hat – damit die Mitarbeitenden wissen, womit sie interagieren sollen und warum.
Wann sollten Unternehmensseiten posten?
Im Gegensatz zur letzten Studie kommt heraus, dass der Freitag ein attraktiver Wochentag für Unternehmensseiten sind. Der Vormittag ca. 10:30 Uhr ist stark, der Nachmittag dagegen eher zu vermeiden.
Diese Zeitfenster sind nennenswert:
- Bester Tag und Zeit: Dienstag, 9.00 Uhr
- Freitag: 10:30 Uhr
- Dienstag-Freitag: zwischen 9:00 und 10:30 Uhr gelten als perfekte Slots.
Wochenende und Unternehmensseiten? Macht das Sinn? Früheren Reports zufolge brachte das Posten am Wochenende bis zu 50 % mehr Reichweite. Die aktuellen Daten widerlegen das klar, zumindest für Unternehmensseiten: Wochentage erzielen einen messbar höheren Wert. Der Wochenend-Tipp aus 2025 ist damit überholt, was viele Seiten-Administratoren freuen sollte. Denn wer hatte schon Lust, sein Wochenende mit LinkedIn zu verbringen.
Wie häufig sollten Unternehmensseiten posten?
Hier gibt es unterschiedliche Empfehlungen je nach Unternehmensgröße.
– Kleine Unternehmen mit 1 – 10 Mitarbeitenden sollten täglich auf der Unternehmensseite posten. Bei Persönlichen Profilen, die täglich einen Beitrag einstellen, leidet die Reichweite enorm. Dort gilt: Niemals täglich posten, da es sonst zu bis zu 45% Reichweitenverlust kommen könnte.
– KMUs mit 10 – 200 Mitarbeitenden sollten 4 Beiträge/ Woche auf der Unternehmensseite anstreben.
– Mittelständische Unternehmen machen mit 5 Beiträgen/ Woche nichts falsch.
– Konzerne können gut und gerne 7 Beiträge in der Woche einplanen.
Unternehmensseiten sollten die kostenfreie Zielgruppen-Steuerung von Beiträgen beherrschen und anwenden. Wird diese genutzt, darf man als Unternehmensseite auch mehrmals täglich posten. Diese Funktion verspricht 8-12% mehr Reichweite als ein normaler Post, der an „Alle“ ausgespielt wird, funktioniert allerdings nur, wenn man mindestens 300 Follower:innen in der Zielgruppe hat.
Tipps für Formate auf Unternehmensseiten
1. Artikel reduzieren: Artikel sind super für Personen-Profile, KI-Tools zitieren diese laut der Semrush-Studie. Bei Unternehmensseiten erhalten sie den schlechtesten Reichweitenmultiplikator. Daher sollten Artikel nur noch für wirklich wichtige Inhalte eingesetzt werden und durch Dokumente ersetzt werden.
2. Dokumente in den Mix bringen: Dokumente liefern 1,24× mehr Reichweite und 1,57× mehr Engagement. Wer noch keine postet, sollte sie testen.
3. Längere Bildunterschriften schreiben: Bildbeiträge mit einer Lesezeit von 120–150 Sekunden erzielen 3,09× mehr Reichweite. Das heißt, kurze Texte schneiden deutlich schlechter ab. Es lohnt sich, tiefgründig und fachlich zu formulieren.
4. Täglich als Unternehmensseite kommentieren: Ab 3 bedeutungsvollen Kommentaren pro Tag steigt die Sichtbarkeit um ~8 %, ab 6 Kommentaren um ~12 %.
Vollständige Seiten performen besser
Eine vollständig ausgefüllte Seite mit schlüsselwortreicher Beschreibung verbessert die Performance um 5–15 %. Das heißt, Ihr investiert ca. eine Stunde Aufwand, füllt alle Bereiche aus.
Über-Uns-Text: Wenn Ihr nicht sagen könnt, wofür die Seite steht, kann der Algorithmus sie nicht einordnen. Ihr solltet zwei bis drei Kernthemen wählen und im Text erwähnen.
Tipps rund um die Analytics der Seiten
1. Setzt den Fokus auf die Engagement-Rate, nicht Impressionen: Liegt die Engagement-Rate unter 2,73 %, hast du ein Qualitätsproblem bei der Zielgruppe.
2. Vier entscheidende Kennzahlen tracken: Nicht Follower und Impressionen optimieren, sondern: Engaged Follower Ratio (Ziel: >6 %), Advocacy Reach Index (Ziel: >3,0×), Comment Depth Ratio (Ziel: >0,6) und Save-to-Impression Rate.
Empfohlene Themen-Bereiche für Unternehmensseiten
1. Markenpositionierung und Meinung
Das ist die wichtigste Content-Kategorie für nachhaltiges Wachstum auf LinkedIn. Früher reichte es, relevante Infos zu teilen, heute erwarten Zielgruppen eine klare, konsistente Haltung. Wer nur kommentiert, ohne eigene Meinung, wird zunehmend ignoriert.
Beispiele:
- Eigene Einschätzungen zu Markttrends, z. B. „Warum der KI-Hype in der Logistik an der Realität scheitert und was wirklich funktioniert“.
- Studien & Daten mit Interpretation: Nicht einfach einen Report teilen, sondern: „Das sagen die Zahlen und das bedeutet es für mittelständische Einkäufer“.
- Nachhaltigkeits- oder CSR-Themen: Idealerweise nur, wenn sie zur Kernbotschaft passen, z. B. „Warum wir unsere Lieferkette umgebaut haben – und was das für unsere Kunden bedeutet“ (kein isoliertes PR-Posting).
2. Produkte, Kunden & Ergebnisse
Drei Fragen sollten mit dem Content um Produkte beantwortet werden: Für wen ist das? Welches Problem löst es? Welche Ergebnisse sind realistisch?
Beispiele:
- Use-Case-Storytelling & Produkt-Demos: Immer verankert in einem konkreten Schmerzpunkt, z. B. „Wie ein Maschinenbauer seine Angebotserstellung von 3 Tagen auf 4 Stunden reduziert hat und wie unser Konfigurator dazu beigetragen hat“.
- Kundenfallstudien mit echten Zahlen, z. B. „32 % weniger Retouren nach Einführung unserer Qualitätskontrolle, der Weg dorthin“.
- Testimonials mit Kontext: Wer ist der Kunde, welche Ausgangslage hatte er, was hat sich verändert?
3. Menschen und Unternehmenskultur
Gemessen an seiner Wirkung ist das die am meisten unterschätzte Kategorie. Bereits 2025 haben persönliche Geschichten starke Reichweite und Engagement erzeugt. Käufer wollen wissen, von wem sie kaufen. Kandidaten wollen wissen, wem sie sich anschließen. Diese Kategorie bedient beide Zielgruppen gleichzeitig.
Beispiele:
- Mitarbeitergeschichten, die den Menschen hinter der Rolle zeigen, z. B. „Lea ist seit 8 Jahren bei uns, was sie hält, ist nicht das, was du vielleicht denkst“
- Team-Momente und echte Einblicke: z. B. „So sieht ein echter Messetag bei uns aus, inklusive allem, was schiefgeht“. Der Content sollte nicht gestellt wirken, nicht hochglänzend, sondern authentisch und nahbar.
- Stellenausschreibungen, die die Unternehmenskultur zeigen: „Wir suchen eine Projektleiterin – und das ist das Team, dem sie beitreten würde“
4. Events und Community
LinkedIn setzt gezielt auf Events, Live-Formate und Newsletter – Seiten, die als aktive Anlaufstelle funktionieren, bauen ein treueres und stärker gebundenes Publikum auf als solche, die nur statische Beiträge posten. Events & Community verwandelt eine Seite von einem Sendekanal in einen echten Anlaufpunkt.
Beispiele:
- Eventankündigungen und Nachberichte: Berichte von vor, während und nach dem Event. z. B. „In 3 Tagen auf der Bauma – komm vorbei“, „Live vom Stand: Das fragen uns Besucher heute am meisten“, „Was wir mitgenommen haben und was uns überrascht hat“.
- LinkedIn Live-Inhalte: – z. B. ein monatliches Expertengespräch zu einem Branchenthema, das Follower zur Interaktion einlädt
- Kooperationen mit Partnern, Autoren oder Gastbeiträgern, z. B. „Gastbeitrag von unserem Technologiepartner: Was sich in der Automatisierung gerade wirklich verändert“
- Newsletter-Teaser und Wachstumsposts, z. B. „In unserem Newsletter diese Woche: 3 Entwicklungen, die du auf dem Radar haben solltest – hier abonnieren“
Der LinkedIn-Algorithmus belohnt Relevanz und wenn Menschen interagieren. Unternehmensseiten allein kommen kaum noch durch. Wer sichtbar bleiben will, braucht eine klare Ausrichtung und Mitarbeitende, die mitmachen. Die Seite liefert das Signal, die Menschen sorgen für die Verbreitung.
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