Was tun bei digitaler Gewalt auf LinkedIn?

Ein kürzlich erschienener Artikel der Zeitung „Die Zeit“ hat mich zu diesem Blogartikel inspiriert.

Worum geht es?

LinkedIn galt lange Zeit als unpolitisches Business-Netzwerk und unterschied sich damit sehr stark von Facebook. So habe ich es meinen Kunden als LinkedIn-Profilberaterin seit 2015 vermittelt. Leider entspricht diese Aussage nicht mehr ganz der Wahrheit. Auch im weltweit größten Business-Netzwerk haben hier in Deutschland Hass und Hassrede Einzug genommen, obwohl man das Netzwerk für berufliche Zwecke nutzt und mit Klarnamen, Beruf und sogar der Verknüpfung mit dem Arbeitgeber kommuniziert. Man hält es kaum für möglich, da es so einfach wäre, die Täter zu finden.

Mit diesem Artikel möchte ich darauf sensibilisieren, was man tun kann, falls man Opfer von digitaler Gewalt auf LinkedIn geworden ist. Eigentlich habe ich nie gedacht, dass ich mal einen solchen Artikel schreiben würde. Ich habe das Netzwerk bisher aufgrund des beruflichen Fokus und seiner Seriosität geschätzt und empfehle es auch heute gerne weiter. Allerdings ist nichts beständiger als der Wandel, in den sozialen Medien sowieso und es schaut so aus, als müsste man LinkedIn als Plattform neu bewerten.

Was kann ich tun, wenn ich nun doch mal online auf LinkedIn angepöbelt werden sollte? Kann man Mitglieder blockieren?

Ja, das Blockieren eines Mitgliedes ist leicht gemacht. Sie gehen dazu in das Profil des entsprechenden LinkedIn-Mitgliedes. Suchen das Menü „Mehr“ im Kopfbereich und klicken darauf. In dem sich öffnenden Menü können Sie die Person melden/ blockieren.

Aber was passiert genau? Laut LinkedIn ist es so, dass man gegenseitig nicht mehr auf das Profil zugreifen kann. Man kann dem Mitglied keine Nachrichten mehr senden und man sieht auch keine Beiträge der Person. Unzureichend scheint es, dass die Person ja weitermachen kann und ggf. andere Opfer finden wird.

Weitere Details zum Blockieren von Mitgliedern lesen Sie hier in der LinkedIn-Hilfe.

Bringt das alles nichts, kann auch die LinkedIn-Hilfe kontaktiert werden. Ich habe sie bisher nur bei technischen Problemen angesprochen und mir wurde zumeist auch innerhalb von 24 Stunden geholfen. Hier wird beschrieben, wie man ein Support-Ticket auch für Hatespeech oder andere Probleme eröffnen kann.

Was tut LinkedIn gegen Hatespeech?

Genau genommen hat LinkedIn nichts davon, Hassreden zu unterstützen. LinkedIn möchte seinen Ruf ganz bestimmt nicht schädigen und Premium-Mitglieder oder für Werbung zahlende Unternehmensseiten verprellen. Das Ziel des Business-Netzwerkes ist es, dass Menschen zueinander finden, ins Geschäft kommen, neue Arbeitgeber finden oder sich weiterbilden. Die Nutzer sind auf der Plattform um ihre Karriere voranzutreiben und haben verglichen mit anderen Plattformen hohe Ansprüche an die Qualität – man ist eigentlich nicht auf der Suche nach Streit. Bei 810 Millionen Nutzern weltweit nimmt allerdings die Quote an Menschen zu, die andere Ziele zu verfolgen scheinen. Was genau wird von LinkedIn vorgenommen, diese neuen negativen Entwicklungen zu unterbinden? Laut deren Aussage werden regelwidrige Beiträge in 99,6 % der Fälle erkannt und automatisch gefiltert. Durchgeführt werden die Aktionen von LinkedIns Trust & Safety Team, dem Kundensupport und der LinkedIn-Redaktion. Das klingt ja eigentlich sehr gut. Nur wie gut, wie qualitativ sinnvoll sind diese Aktivitäten? Um 100% genau filtern zu können, müssten Menschen, also echte Arbeitskräfte darauf angesetzt werden und nicht nur KI. Sind die aktuellen Teamgrößen ausreichend, um den eindeutigen Anstieg abdecken zu können? Fakt ist, es gibt mehr Hatespeech verschiedener Art auf der Plattform. Das wird auch aus den öffentlichen Daten des Transparency-Reports von LinkedIn deutlich.

Seit Jahren gibt es bereits ein Gesetz, welches Social-Media-Netzwerke wie Facebook verpflichtet, schnell und umfassend gegen Hass und Hetze vorzugehen: Das Netzwerkdurchsuchungsgesetz, welches 2017 in Kraft getreten ist. Es wurde erlassen, um auf die zunehmende Verbreitung von Hasskriminalität und andere strafbare Inhalte vorrangig in sozialen Netzwerken wie FacebookYouTube und Twitter zu reagieren. Dank des Gesetzes sind Betreiber verpflichtet, bei Hassrede, Morddrohungen etc. die Personen innerhalb von 24 Stunden zu sperren. LinkedIn gilt als reines Businessnetzwerk und fällt daher rechtlich nicht unter dieses Gesetz. Wie wir mit diesem Beitrag sehen, entwickelt sich die Social-Media-Welt immer weiter, immer mehr digitale Gewalt wird spürbar, so dass ich es wichtig wäre, auch das Businessnetzwerk LinkedIn neu zu beurteilen.

Glücklicherweise gibt es bereits einzelne Personen, die sich sehr stark für mehr Frieden und gewaltfreie Kommunikation in den Netzwerken einsetzen, leider weil sie selbst schon Opfer von digitaler Gewalt geworden sind.

Johannes Ceh, Coach und Berater für Digitalisierung im Mittelstand, ist ein solches Beispiel. Er hat, da er den Umgang mit Hassrede auf LinkedIn völlig unzureichend empfand, im November 2021 sogar beschlossen, dem Netzwerk den Rücken zu kehren. Im oben erwähnten Zeit-Artikel als auch im t3n-Artikel wird seine persönliche Geschichte näher beschrieben. Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen als auch dem Fakt, dass seit der Pandemie eine stetige Zunahme von Hassreden auf LinkedIn beobachtet wurde, hat er angefangen, sich verstärkt online zu gewaltfreier Kommunikation, gegen Hassreden auf LinkedIn einzusetzen. Er hat sich Gleichgesinnte gesucht, Gruppen gegründet und sich mit den zwei deutsch-sprachigen zivilgesellschaftlichen Organisationen in Verbindung gesetzt, welche Social-Media-Nutzern helfen, anonym Anzeige zu erstatten. Unterstützt werden kann er auch, hier unter dem Link „Our Job to be done„.

Bei den beiden Organisationen, die sich gegen Hassrede im Internet einsetzen und Opfer unterstützen, handelt es sich um „HateAid“ und hassmelden.de.

Was machen die Organisationen HateAid und hassmelden und wie können sie Ihnen helfen?

HateAid: ist die erste Beratungsstelle Deutschlands gegen Hass im Netz und setzt sich mit Kampagnen für digitale Gerechtigkeit ein. Zum Beispiel ist #makeitsafe der Hashtag einer Kampagne gegen digitale Gewalt gegen Frauen. Auf der Webseite gibt es umfangreiche Informationen für Betroffene und interessierte Social-Media-Nutzer. Sie finden u.a. Spendensammlungen, Petitionen als auch Präventionsmaßnahmen um die Privatsphäre im Netz zu schützen. Ich empfehle, sich die Seite und Inhalte der Kampagnen genauer anzuschauen und ggf. die Aktionen zu unterstützen. Wir alle können das Netzwerk somit zu einem besseren Platz machen.

hassmelden.de https://hassmelden.de/ organisiert sich über ehrenamtliche Mitarbeiter. Als ich diesen Artikel geschrieben habe, gab es bereits ca. 500.000 Meldungen von Hassreden im Netz. Erschreckend sind noch weitere statistische Zahlen auf der Seite: Hassmelden erhält pro Tag durchschnittlich zwischen 2.000 und 4.000 Meldungen. 200 bis 400 davon werden täglich an Strafverfolgungsbehörden weitergegeben.

Über ein Eingabefeld kann das individuelle Problem geschildert werden und Hassmelden kümmert sich, indem die Mitarbeiter jede Meldung auf strafrechtliche Relevanz prüfen und falls nötig wird unverzüglich ein Strafverfahren eingeleitet. Die Opfer bleiben anonym, was bei einer selbst gestellten Strafanzeige nicht der Fall ist. Siehe dazu auch diese Übersicht auf deren Webseite.

Ich verbleibe in der Hoffnung, dass wir möglichst immer qualitativ hochwertige Diskussionen auf LinkedIn verfolgen und nicht mit Wut und Hetze in Berührung kommen. Falls es doch Probleme geben sollte, können Ihnen die Tipps dieses Artikel hoffentlich weiterhelfen.

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