Wissenswertes über die internationale Rekrutierung von spanischen Fachkräften

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Im Interview: Begonia Vazquez Merayo von Why Consult in München

Ich habe Begonia Vazquez Merayo, die Inhaberin von Why Consult http://www.why-consult.com letztes Jahr bei W.I.N Women in Network in München kennengelernt und da wir beide eine internationale Ausrichtung haben, ist der Austausch immer besonders interessant. Im heutigen Interview stellt sie sich und Ihre Tätigkeit näher vor.

Begonia, worum geht es bei „Why Consult“?

Begonia: Why Consult bietet Unternehmen und Kandidaten internationale und interkulturelle Unternehmens-, Personalberatung sowie Coaching an, die im internationalen Umfeld nach neuen Mitarbeitern oder nach neuen professionellen Herausforderungen suchen. Wir sind auf die Beschaffung von ausländischen Fachkräften für kleine und mittelständische Unternehmen spezialisiert, arbeiten sehr individuell und nah am Kunden und stehen für Interkulturalität, Engagement und Leidenschaft.

Begonia, Du bist Spanierin und arbeitest in München. Erzähl uns doch kurz, wie es dazu gekommen ist, dass Du eine Unternehmensberatung in München gegründet hast!

Begonia: Nachdem ich 20 Jahre in der Industrie im Bereich Brand Management für große internationale Konzerne und auf verschiedenen Kontinenten und Ländern für interkulturelle Teams zuständig war, habe ich Why Consult gegründet und leite es seit 2011 in Vollzeit.

Sicherlich waren mein Unternehmer-Geist und meine Motivation, was Eigenes aufzubauen, die wichtigsten Treiber für mein eigenes Unternehmen.

Nach all den Jahren mit Fokus auf Marken und Produkte, wollte ich mich den Menschen widmen und auf deren Weiterentwicklung als Personen und Führungskräfte innerhalb eines Unternehmens. Ich wollte mich auf Firmen, die in Humankapital investieren wollen und die Themen Internationalisierung, ausländische Fachkräfte und Willkommens-Kultur aktiv angehen möchten, konzentrieren.

Ich bin international geblieben, weil ich das nach meinem halben Leben im Ausland bin. Und ich habe mich stärker auf Spanien, mein Heimatland, fokussiert.

Inwieweit hast Du noch Kontakt zu Deinem Heimatland?

Begonia: Ich habe bewusst meine internationale Aktivität verstärkt in Spanien weiterentwickelt, damit ich meinem Heimatland näher kommen kann.

Für die Betreuung meines Ausbildungsprogramms mit meinen exklusiven Partnern: IHK Schwaben und der IHK Oviedo „Spanische Fachkräfte: Leben und Arbeiten in Schwaben“, bin ich im Durchschnitt einmal im Monat in Spanien.

Das Programm ist auf spanische Hochschulabsolventen ausgerichtet, welche ihr Profil internationalisieren wollen, mit dem Ziel sich in Deutschland professionell weiterzuentwickeln. Das Programm ist auch für deutsche Unternehmen von großem Interesse, die spanische Fachkräfte mit professioneller, persönlicher und interkultureller Vorbereitung langfristig als treue Mitarbeiter gewinnen wollen. Seit März dieses Jahres findet die 2. Edition in Oviedo statt und 17 spanische Kandidaten kommen am 1. August in Augsburg an.

Wer sind Deine Kunden / Wunschkunden?

Begonia: Meine Kunden kommen meist aus der Industrie. Die Branchen sind sehr unterschiedlich, ich betreue überwiegend Unternehmen aus dem Mittelstand im technischen Bereich und ich arbeite weiter in der Kosmetik- und Modebranche. Allerdings berate ich auch gerne Institutionen, wie die IHK oder Berufskammern, die sich ebenso für die Themen „ausländische Fachkräfte“ und „Willkommens-Kultur/ Diversity Management“ interessieren.

Wir coachen und beraten Kandidaten, sowohl Deutsche wie Ausländer, überwiegend Spanier, die in Deutschland ihre Karriere weiterentwickeln und sich dafür klar positionieren wollen. Dabei sind viele technische Profile, Ingenieure, IT-ler sowie Diplom-Chemiker, Architekten und BWL-er.

Wie finden Dich Deine Kunden?

Begonia: Unser Erfolg ist unsere beste Visitenkarte. Durch die geführten Projekte, wie z.B. das Projekt „Junge Spanier für Wunsiedel“ hat sich einiges an PR und Weiterempfehlungen ergeben, da Why Consult als vertrauensvoller und kompetenter Partner erlebt wurde.

Zur Zeit arbeite ich als Partner der IHK Schwaben und habe neue Mandanten aus der Industrie gewinnen können, die wir strategisch und operativ im Bereich internationale Personalentwicklung und Rekrutierung beraten.

Für 2014 ist geplant, dass die Online-Präsenz erweitert wird, damit uns alle potentiellen Kunden besser kennenlernen können und daraus neue Projekte entstehen können.

Wie konkret kannst Du Ihnen helfen?

Begonia: Beim Projekt „Junge Spanier für Wunsiedel“ habe ich gemeinsam mit den beteiligten Unternehmen den Suchprozess bis zur  Unterschriftsreife verantwortet und begleitete die beteiligten Unternehmen und die spanischen Fachkräfte während der sechs Monate Probezeit. Die erfolgreiche Integration in einem neuen kulturellen und beruflichen Umfeld hatte dabei allerhöchste Priorität. Im Projekt haben wir 13 spanische Facharbeiter für vier Unternehmen gewinnen können, im Bereich Automobil, Elektroinstallation, Holzindustrie und Gastronomie.

Wir kultivieren unsere Interkulturalität: Unser Stärken bestehen nicht nur auf unserer internationalen Erfahrung und fachlichen Kompetenz in der Unternehmensführung, Personalentwicklung und Rekrutierung sondern auch auf den guten Kenntnissen beider Kulturen und Märkte (Deutschland und Spanien). Wir sprechen die gleiche Sprache und kennen beide Märkte sehr gut.

Der Erfolg unserer Kunden ist unsere Leidenschaft: Wir arbeiten nachhaltig und mit vollem Engagement. Dafür hat die langfristige Integration der neuen Mitarbeiter im Unternehmen alle Priorität. Wir begleiten die Kandidaten in ihrem Veränderungsprozess, vom Heimatland zum neuen deutschen Arbeitgeber und in der neuen Stadt. Des Weiteren beraten wir die Unternehmen bei der langfristigen Integration der neuen Mitarbeiter im neuen kulturellen Umfeld.

Im Rahmen der Beratung geht es auch um interkulturelle Kompetenzen. Was sind Deiner Meinung nach besondere Unterschiede, die man als Unternehmen kennen sollte, wenn man mit der Integration spanischer Fachkräfte zu tun hat?

Begonia: Wichtig ist die persönliche Vorbereitung der Kandidaten sowie die bewusste Verantwortlichkeit im Unternehmen, einen ausländischen Mitarbeiter in ein bestehendes deutsches Team zu integrieren.

Ein internationaler Rekrutierungsprozess benötigt viel Energie, sowohl bei den Kandidaten als auch im Unternehmen.

  1. Der internationale Matching Prozess ist sehr intensiv. Die Ansprüche der deutschen Unternehmen sind enorm hoch und sehr auf den deutschen Markt ausgerichtet. Diese müssen vorab auf die Spezifikationen des spanischen Marktes übersetzt werden und ein gemeinsames Verständnis geschaffen werden.
  2. Das Ausbildungssystem ist in beiden Länder sehr verschieden. Spanien ist das Land des Universität-Studiums. Das Duale System ist ein erfolgreiches deutsches Konzept, sehr anerkannt in Spanien als Basis für die Dynamisierung der Berufsausbildung.
  3. Die Kandidaten sprechen nicht immer ein gutes Deutsch.
  4. Oftmals haben die Firmen wenig Erfahrung mit ausländischen Mitarbeitern, die langfristig in Deutschland bleiben wollen. Nach Spanien fährt man nicht einfach mal übers Wochenende nach Hause. Oft geht das dann nur noch zweimal im Jahr… Darauf sollte man eingestellt sein.
  5. Interkulturelle Kommunikation heißt oft “lost in Translation“:
    1. Die Persönlichkeit und die zwischenmenschlichen Beziehungen sind in Spanien weit wichtiger als die Fakten und die Tatsachen. Wir gehen auf die Themen mit Emotionen ein, ein Deutscher mit sachlichen Argumenten. So fangen unsere Kundengespräche oft mit einer Einladung zum Mittagessen an. Wir möchten den Gesprächspartner persönlich kennenlernen bevor wir auf die professionellen Themen eingehen.
    2. Die Familie und der Freundeskreis genießen einen sehr hohen Stellenwert. Als kollektive Gesellschaft umgeben sich Spanier gern mit Leuten, unsere Beziehungen sind fast wichtiger als die Karriere. In Deutschland, als individuelle Gesellschaft, steht das Individuum im Mittelpunkt sowie seine Selbstverwirklichung.
    3. Warum hat der Begriff Pünktlichkeit in Spanien eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland? Die Zeit hat in Spanien eine zirkuläre Dimension: Die Zeit fließt, wir leben mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sehr verbunden, was heute nicht gemacht wird, können wir auch morgen machen. In Deutschland ist die Zeit eine lineare Dimension. Wir orientieren uns von heute in die Zukunft, dabei ist das Zeitmanagement und die Planung ein essentielles Werkzeug im Leben eines Deutschen.

Für kleine und mittelständische Unternehmen sowohl innerhalb als auch außerhalb von Wirtschaftszentren wie München oder Stuttgart ist es allerdings keine Option, sich nicht mit der Beschaffung ausländischer Fachkräfte zu beschäftigen. Bereits heute ist der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften spürbar und wird aufgrund der demographischen Entwicklung zukünftig weiter zunehmen.

Die Integration ausländischer Fachkräfte ist eine Herausforderung, sowohl für das Unternehmen, als auch für die Kandidaten. Sie stellt allerdings auch eine langfristige Chance für alle aktiv Beteiligten dar. Genau hier habe ich meine Expertise mit vielen positiven Erfahrungen der letzten Jahre, und kann Sie aktiv unterstützen, damit Sie diesen spannenden Weg erfolgreich beschreiten.

 

Vielen Dank an Begonia für das interessante Gespräch.

Foto: © Begonia Vazquez Merayo

3 Gedanken zu „Wissenswertes über die internationale Rekrutierung von spanischen Fachkräften

  1. Sehr geehrte Frau Gonzales,
    Haben Sie die Möglichkeit eine junge spanische Architektin (ca 26. Jahre, Vater Span. Bauingenieur) in Deutschland einen Berufseinstieg zu ermöglichen? Grundlegende Deutschkenntnisse durch Kurs erworben. Während des Studiums Auslandaufenthalt in Holland.
    Vielen Dank für eine Antwort
    Mit freundlichem Gruß
    Volland
    Javea

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich leite diese Anfrage gerne weiter und werde Frau Vazquez bitten, sich mit Ihnen in Verbindung zu setzen. Wenn ich etwas gehört habe, schreibe ich Ihnen per Mail.
      Viele Grüße,
      Friederike Gonzalez

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