Deutschlands Verbraucher und ihre Nutzung von Social Media

SOCIAL-MEDIA-PUZZLE 3D

Ich finde Statistiken zur Nutzung von Social Media immer sehr spannend. Kürzlich wurde der „German Social Media Consumer Report 2012/2013“ vom Social Media Think:Lab des Marketing Center Münster & Roland Berger Strategy Consultants veröffentlicht. Mit Interesse habe ich diesen gelesen und hier die für mich wichtigsten Fakten und Gedanken notiert:

  • Social Media hat seine Anfangszeit hinter sich gelassen. Egal wie alt die Leute sind, welches Einkommen sie haben oder wo sie leben, laut der Studie nutzt inzwischen jeder Social Media.
  • Im Durchschnitt sind die Twitter-Nutzer die Aktivsten und die Xing-Nutzer gehören zu den Wohlhabenderen Nutzern.
  • Und: die Twitter- und Xing-Nutzer sind laut der Studie besonders gebildet.
  • Für Verbraucher-Entscheidungen war Social Media im Jahr 2012 genauso wichtig wie TV-Werbung, traditionelles Direkt-Marketing und öffentliche Werbung – und bedeutsamer als das Radio.
  • Unternehmen gelingt es noch nicht effektiv genug in Social Media zu kommunizieren. 60% der deutschen Verbraucher erkennen noch nicht wirklich den Wert der Social-Media- Nachrichten von Unternehmen.

Die Social-Media-Top-10-Liste

Hier hat mich etwas überrascht: OK, 72,1% der Deutschen Internet-Nutzer haben ein Facebook-Account. Aber die Plätze 3,4 und 6 werden von Netzwerken belegt, die ich selbst gar nicht nutze und die ich als – vom Aussterben bedroht – eingestuft hatte.

Jeder 10. deutschte Internet-Nutzer hat laut dieser Studie einen Twitter-Account. Google+ hat es bisher auf Platz 5 geschafft und liegt sogar vor Xing. Gratulation!

Fakten zum Bildungsgrad und der meistgenutzten Social Networks

Da muß man aber aufpassen, dass man die Nutzer nicht anfängt in Schubladen zu schieben. Die Twitter und Xing-Nutzer haben in der Mehrzahl Abitur, während die Nutzer von „Wer-kennt-wen“ meist nur einen Hauptschulabschluß vorweisen können. Facebook, weil von der Mehrzahl der Leute benutzt, liegt genau im Mittelfeld, ebenso Youtube. Rein gefühlsmäßig hätte ich gedacht, dass der durchschnittliche Google+-Nutzer auch zu den Abiturienten gehört.

Kaufentscheidungen und Social Networks

Mit 11.6% liegen Empfehlungen von Freunden und Familienmitgliedern recht weit vorne. 7,6% der Kaufentscheidungen werden durch den Einfluss von Social Media getroffen. Hier gibt es große Unterschiede zwischen den Branchen. In der Liste wurde in 22 Branchen aufgeteilt und führend sind bei den Kaufentscheidungen durch Social Media – Medienprodukte, Restaurants und Online-Retailer.
Derzeit nutzen Verbraucher Informationen aus Social Media vorwiegend für den Kauf von Produkten aus dem Online Retailing und Medienprodukten und weniger für den Kauf von Hardware-Produkten.

Marken-Beziehungen und Social Networks

Leute, die eine besondere Beziehung zu Marken durch Social Networks aufbauen sind sehr aktiv in Social Media und surfen meist von unterwegs, engagieren sich vermehrt mit der Marke und kommen meist aus niedrigen Gehaltsklassen. Dies gilt vor allem für Produkte aus Online-Retailing, Medienprodukte, Unterhaltungselektronik und Kommunikationsdienstleister.

Die Kommunikation von Unternehmen in Social Media sollte ganz genau unter die Lupe genommen werden. Denn laut der Studie fühlt sich ein relativ hoher Anteil von Verbrauchern durch Posts von Unternehmen eher gestört (41,%) und nur 15,4% möchten wirklich mit Unternehmen über Social Media kommunizieren.

Private Kommunikation vs. Kommunikation im Berufsleben

Noch steht das Telefon hier an erster Stelle mit seinen 53,2% täglicher Nutzung, aber Social Media folgt rasch mit 45,2%. Wann haben Sie den letzten Brief geschrieben? Privat? Nun, nur noch 3,5% machen das täglich. Ganz ehrlich, ich schreibe auch sehr selten. Höchstens mal eine Postkarte aus dem Urlaub oder einen Geburtstagsgruß.
Erhebliche Unterschiede zeigen sich, bei der Anzahl der Nutzer von Social Media im beruflichen Leben. Viele Unternehmen untersagen dies strikt, daher kommt es, dass 66,2% noch nie im Job per Social Network kommuniziert haben. Wahrscheinlich ist das auch gut so, denn laut einer aktuellen Studie von Armutat, Geighardt-Knollmann & Steinhäuser von 2012 haben 66% der deutschen Firmen keine Social Media Guidelines für Ihre Mitarbeiter und 85% haben ihren Mitarbeitern nie ein Training zur Kommunikation in Sozialen Netzwerken angeboten. Da es da einige Stolpersteine gibt, wie hier im FAZ-Blog beschrieben, rate ich auch zur Vorsicht!

 

Foto: © Franjo – Fotolia.com

Welche Trends und Online-Nutzungsweisen werden in welchem Land gelebt

Onlinenutzungsverhalten

Vor einiger Zeit bin ich auf die Digital Life Studie von TNS Global gestoßen, welche Ihnen hilfreiche Empfehlungen gibt, wie Sie mit Hilfe von digitalen Kanälen Ihre Geschäftsverbindungen ausweiten bzw. vertiefen können. Was ich besonders spannend finde: Spezifische Online-Nutzungsweisen und Angewohnheiten unterschiedlicher Kulturen werden dabei berücksichtigt. Im Jahr 2010 wurden dazu 72.000 Menschen aus 60 Ländern befragt. Die Studie beinhaltet länderübergreifende und produktübergreifende Kategorien um aufzuzeigen, welche Möglichkeiten es für Marken gibt, in die Onlinewelt zu wachsen.

Wie bekommen Sie Zugang zur Studie?

Es wird über Online gesprochen, also ist die TNS Digital Life Studie auch digital verfügbar und man kann spielerisch viel über die Art und Weise, wie weltweit die Digitalisierung angewendet wird, erfahren. Sie können für verschiedene Fragen bzw. Szenerien je Land und Produktkategorie eine Abfrage starten und Informationen über die Situation in dem jeweiligen Land erhalten.

Bestimmt fragen Sie sich im Zuge Ihrer Marketing-Planungen auch, wie Sie mit Hilfe von Digitalen Kanälen mehr Umsatz machen können, wen Sie durch die Nutzung von den verschiedenen Social Media Kanälen erreichen können. Hier finden Sie die Antwort! So finde ich es besonders interessant, wie unterschiedlich die Rangliste der meistgenutzen Internet-Aktivitäten in den verschiedenen Ländern ist. Hier kann man das für die einzelnen Länder abfragen. Dies ist, obwohl es sehr viel verrät nur ein Ausschnitt der Studie. Laut der Webseite kann das Gesamtwerk über verschiedene Wege käuflich erworben werden.

Welche Informationen liefert Ihnen die Studie?

Nehmen wir mal Frankreich: Zu den populärsten Aktivitäten gehört hier das Internet-Banking, gefolgt von Videos die von Verbrauchern selbst erstellt worden sind und an dritter Stelle professionelle Videos. Genauso schaut das Ranking für die USA, Deutschland und ähnlich in UK aus.

Schauen wir nach Südamerika, dann sehen wir, dass in Chile, Argentinien, Brasilien und Peru z.B. das Internet-Banking zwar zunehmen wird, aber das Anschauen von User-generated Videos an erster Stelle steht.

Gehen wir zu einer anderen Frage, z.B. inwieweit wird auf die Meinung von Verbrauchern im Netz gehört. In Deutschland, bezüglich Lebensmittel und Getränken, glauben 43% der Leute, was Freunde sagen, auf die Kommentare von Fremden hören nur 33%. Wie schauts in anderen Ländern aus?

Australien: 56% glauben ihren Freunden, 39% auch Fremden.

Ghana: 69% glauben ihren Freunden, 60% auch Fremden. Marokkaner vertrauen auch viel mehr der Meinung von Freunden (76%) und Fremden (64%).

Ungarn sind da eher skeptisch wie wir Deutschen. 43% vertrauen auf Meinungen ihrer Freunde und nur 25% fremden Berichterstattungen.

Ich denke, dass Unternehmen, die verstärkt im Ausland präsent sein wollen, sehr viel aus diesen Daten herauslesen können.

Wie offen reagieren die Leute auf Brands in Sozialen Netzwerken? Hier ist es möglich, nach Geschlecht und Altersgruppen zu sortieren. Wie ich vermutet hatte, sind gerade wir Westeuropäer eher skeptisch, wie man hier an den Farben sieht und Südamerikaner, Afrikaner und Asiaten sind da viel offener.

Hier wird es noch detaillierter: Sie können die Anzahl der Freunde in sozialen Netzwerken herausfinden, auf Wunsch auch sortiert nach 5 verschiedenen Altersgruppen, welche wie Vermuten lässt erhebliche Unterschiede aufzeigen. Da liegt Deutschland mit seinen 75 Freunden eher im hinteren Mittelfeld, wobei die Zahl mit Sicherheit in den letzten zwei Jahren gestiegen ist. Zum Vergleich hat ein malaysischer Onlinenutzer 233 Freunde in sozialen Netzwerken, in Tansania nur 37.

In der Kategorie: „What is most important“ erhalten Sie Informationen auf welche tägliche Online-Aktivitäten wieviel Prozent der Nutzer eher Mobil oder vom PC zugreifen. Auch erfährt man Zahlen zur Online Penetration in den Ländern. Russland zeigt hier 42,8% an, verglichen mit 62,6% in Spanien und 79,1% in Deutschland. Ebenfalls wird der Anteil der Influencer, Communicators, Knowledge Seeker, Networker, Aspirer und Functionals angegeben. Mehr zu diesen verschiedenen Onlinen-Nutzertypen erfahren Sie in diesem PDF.

Was ist der Nutzen dieser Daten für Sie als Unternehmen?

Die Social Media Strategie für ein anderes Land kann basierend auf den Daten eines Social Media Monitorings und den kulturellen Voraussetzungen erstellt werden. So gelingt es, sich auf die regionalen Nutzerverhalten einzustellen und seine Aktivitäten so anzupassen, dass die Erwartungen ggf. nicht enttäuscht werden. Hat man es mit einer Kultur zu tun, die sich schwer tut, Bewertungen von Fremden zu glauben, dann sollte man die Social Media Aktionen eher in eine andere Richtung lenken. Bzw. sollte das Land eher skeptisch gegenüber Brands in Social Networks sein, dann hat das auch Auswirkungen auf die Chancen, höhere Fanzahlen und viel Engagement z.B. auf einer Unternehmens-Facebookseite zu erzielen. Ganz wichtig ist aber hier, die Entwicklung zu beoabachten und ein Auge auf die Wachstumsbereiche bzw. Online-Aktivitäten mit der erfolgreichsten Zukunft zu werfen.

 

Foto: © Kitty – Fotolia.com