7 Selbstmarketing-Tipps für Frauen

Letze Woche fand ja, wie jedes Jahr am 8. März, der internationale Frauentag statt. Ich gebe zu, dass ich eine geteilte Meinung zu diesem Feiertag habe. Auch wenn Frauen sich über Blumen freuen, so wird mit dem traditionellen Begehen des Tages wie z.B. mit Blumengrüßen vom Chef (was von einigen Unternehmen so gehandhabt wird) von den wichtigen Themen abgelenkt. Jeder sollte die Anerkennung bekommen, die ihm gebührt – egal, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt.

Fakt ist, dass es uns Frauen oft an ausreichend Selbstvertrauen fehlt. Meist ist da einfach eine Bescheidenheit vorhanden, die nicht sein muß. Das bestätigt auch die frühere Familienministerin Renate Schmitz in einem Beitrag der Wirtschaftswoche. Wir müssen nicht wie Männer werden, aber wir können unsere Komfortzone verlassen, aus uns herausgehen und über unsere Erfolge und Taten sprechen.
Viele Frauen und da schließe ich mich mit ein, machen Fehler, welche es uns in der männlich geprägten Arbeitswelt schwerer machen. Ich habe, als ich nach der Elternzeit wieder in Teilzeit gearbeitet habe, keine Gehaltsverhandlungen geführt, weil ich dankbar war, dass ich überhaupt wieder in Teilzeit einsteigen durfte. Sehr häufig wird das jungen Müttern verwehrt und ich war bereits sehr froh, einen interessanten Job in Teilzeit ausüben zu können. Rückblickend weiß ich, dass ich dennoch hätte mutiger sein dürfen und auch das Thema Gehalt ansprechen können. Ich hätte auf meine Erfolge für das Unternehmen verweisen können, dass ich trotz Teilzeit am Nachmittag und Abends für die amerikanischen Kollegen zur Verfügung stand. Nun, das liegt in der Vergangenheit. Ich möchte den heutigen jungen Müttern mit auf den Weg geben, dass Sie etwas forscher rangehen sollten – viele tun das ja bereits recht erfolgreich. Aber vielen anderen fehlt es noch am Selbstvertrauen.

Aus diesem Punkt habe ich hier 7 Selbstmarketing-Tipps für Frauen zusammengetragen, welche das ganze Jahr über gültig sind, nicht nur am Weltfrauentag. Machen wir uns nichts vor: Bescheidenheit bringt uns nicht weiter, also suchen wir uns andere Wege.

1. Erfolgsliste erstellen

Der erste Schritt hierbei ist es, sich seiner persönlichen Erfolge bewusst zu sein. Je nach Position ist das auch gar nicht so leicht. Starten Sie daher ein kleines Erfolgsbuch und notieren am Ende jeden Tages, was gut gelungen ist. Welche kleinen und großen Meilensteine haben Sie geschafft.
Auch wenn ein Tag zwischendrin nicht so gut gelaufen ist, werden Sie jeden Tag etwas finden, was Sie geschafft haben. Diese Ergebnisse sollten in einem Erfolgstagebuch gesammelt werden. Am besten mal ein paar Wochen lang.
Als Mutter zweier Kinder gibt oder gab es auch Tage, wo ich wenig Zeit für meinen Job hatte. Dann steht in dem Tagebuch halt etwas, was nichts mit dem Beruf zu tun hat.

2. Sprechen Sie über Ihre Erfolge

Jetzt, nachdem Sie sich Ihrer Erfolge bewusster geworden sind, berichten Sie hin- und wieder in persönlichen Gesprächen mit Freunden, der Familie, in der Kaffeepause, im Team-Meeting über die Erfolgserlebnisse.
Auf die Online-Kommunikation übertragen, auch da können Sie Erfolge in Status Updates oder in Blogartikel einflechten.
Ein Erfolg ist in meinen Augen auch der Besuch einer Weiterbildungsmaßnahme oder einer Konferenz. Jeder kann, nachdem er beruflich auf einer Messe war oder an einem Ein-Tages-Workshop teilgenommen hat, ein paar Anekdoten dazu erzählen. Die Zuhörer werden mit Sicherheit interessiert zuhören, wenn Sie sich vorab 2-3 Fakten überlegen, die es Wert sind, an andere weiterzugeben.

3. Finden Sie Ihr Spezialthema für welches Sie brennen

Ich gehe davon aus, dass jeder ein Thema hat, welches ihn besonders fesselt. Idealerweise ist es ein Thema, welches Sie auch beruflich weiterbringt. Richten Sie Profile in einem oder mehreren sozialen Netzwerken ein, beschreiben Sie im Profil Ihr Lieblingsthema und fangen Sie an, online darüber zu kommunizieren. Gerade LinkedIn eignet sich als weltweit größtes Businessnetzwerk hervorragend für das berufliche Selbstmarketing.
Überlegen Sie sich 2-3 Themen, für welche Sie sich besonders interessieren, Sie gut darin sind und schreiben Sie regelmäßig darüber. Sie sind international aktiv und können in puncto interkulturelle Kommunikation einen Beitrag leisten? Sie bieten Coachings für Führungskräfte in der Automobilbranche an? Ihre Kunden sind meist im Vertrieb tätig, reisen viel und benötigen immer wieder Input für interessant gestaltete Präsentationen?
Als Social-Media-Beraterin habe ich mir 2012/13 das Thema internationales Social Media und die Nutzung der Kanäle über die Grenzen hinaus, als Thema vorgenommen. Heute ist das auch der Titel meiner Webseite und es war der Türöffner, mich auf die Beratung zur LinkedIn-Nutzung zu spezialisieren.
Sie könnten Ihre Ideen, Ratschläge und Meinungen zu verschiedenen Themen mit anderen teilen. Der schnellste und einfachste Weg ist es, diese über Social Media anzuleiern. Man wird Sie in Zukunft dank dieser Beiträge ganz anders wahrnehmen und wertschätzen. Personen aus Ihrem Netzwerk werden Sie nach einiger Zeit um Rat fragen und Sie werden sich freuen, dass Sie helfen konnten.

4. Bringen Sie sich in einer Gemeinschaft ein

Mit Gemeinschaft kann vieles gemeint sein. Ich denke dabei an das Online und Offline-Netzwerken. Dank der heutigen Online-Möglichkeiten können viele Ziele noch schneller erreicht werden, sogar über die Landesgrenzen hinaus, ist man in der Lage, Kontakte zu knüpfen.
In der Offline-Welt kann es eine Mitgliedschaft in einem Verein oder eine ehrenamtliche Tätigkeit sein. Seit meiner Selbständigkeit bin ich immer wieder zu Netzwerktreffen für Selbständige gegangen um Gleichgesinnte zu treffen und es sind daraus sehr angenehme und wertschätzende Kontakte oder Freundschaften daraus entstanden. Seit kurzem bin ich bei den Webgrrls Bayern und freue mich auf deren Vorträge, gemeinsame Mittagessen oder Frühstückstreffen. Ggf. nehme ich auch die Gelegenheit wahr, mich dort mehr einzubringen.
Wenn ich meine Aktivitäten deutschlandweit anbiete, macht es Sinn, sich in einer Online-Community wie z.B. Facebook-Gruppen zu engagieren. Nutzen Sie dazu die Gelegenheit, in einer solchen Gruppe regelmäßig Antworten zu schreiben und den Lesern einen Nutzen zu liefern. In meinem Fall ist es eine eigene Gruppe zur LinkedIn-Nutzung bzw. das regelmäßige Posten von Tipps in Gruppen, wo sich Jobsuchende zum Thema Bewerbungen austauschen.

5. Machen Sie sich bewusst: Eigenlob stinkt – nicht!

Von klein auf bekommt man beigebracht, dass Eigenlob unangebracht ist. Ich warne meine Kinder, nicht mit irgendwelchen Dingen anzugeben. Hellhörig werde ich, wenn sie sich so klein machen à la „Ich kann nicht malen. Ich bin schlecht in Mathe, ich kann dies und das nicht.“ Mit der Schule fängt es häufig an, der Mensch wird sich seiner Schwächen bewusst und vergisst, wo die Stärken liegen. Ob jung oder alt, viele von uns sind perfekt im Understatement. Ein bißchen Stolz auf die eigene Leistung ist unbedingt notwendig. Wenn man etwas gut gemacht hat, dann darf man auch darüber sprechen. Ich gebe zu, hier gehört ein wenig Fingerspitzengefühl dazu.
Wenn keiner weiß, welche Erfolge Sie erreicht haben, kann er auch gar nicht einschätzen wofür Sie stehen. Wenn Sie den Tipp aus Punkt 2 umgesetzt haben, können Sie anfangen, kleine Erfolge zu feiern, ihren Freunden und Kollegen davon zu erzählen. Je nachdem, wie Sie kommunizieren und wieviel Zeit Sie sich auch zum Zuhören nehmen, klingt ein wenig Eigenlob auch nicht nach Angeberei.

6. Misserfolge gehören dazu – Lassen sie sich nicht zurückwerfen

Seien Sie sich bewusst, dass ein Fehler oder eine falsche Entscheidung zum Leben dazu gehören. Keiner kommt perfekt auf die Welt und nur durch eine Vielzahl von Fehlern sind die erfolgreichsten Menschen zu dem geworden, was sie sind.
Das Wichtige ist, dass man lernt, die Fehler anzunehmen, daraus zu lernen und nicht allzu viel Zeit damit verschwenden sollte, sich darüber zu ärgern. Wir Frauen neigen eher dazu, uns lautstark über Fehler zu äußern. Ich erwische mich da regelmäßig, merke aber, das es nicht gut ist und mich in keinster Weise weiterbringt. Beherzigen wir doch besser den Spruch „Hinfallen, aufstehen, Krone richten und weiter machen“. Wenn Sie das umsetzen, kommen Sie weiter. Lassen Sie sich bei Ihren Selbstmarketing-Aktionen nicht zurückwerfen. Jede Stunde, die man sich ärgert, ist eine Stunde, die man sinnvoll mit Weiterbildung, Netzwerken, Kundenakquise etc verbringen könnte.

7. Raus aus der Komfortzone

Einige der bisher erwähnten Tipps machen Ihnen Angst? Regelmäßig in Social Media aktiv werden? Mit fremden Leuten kommunizieren? Eigene Artikel ins Internet setzen? Einen Vortrag halten? Ich kann sie gut verstehen. Vor 2012 habe ich Vieles davon nie gemacht. Mein erster Schritt raus aus der Komfortzone war mein 1. Blogartikel. Sie glauben gar nicht, wie lange ich gezögert habe, bevor ich auf „Veröffentlichten“ geklickt habe. Die Vorstellung, dass rein theoretisch die ganze Welt meine Zeilen lesen könnte, hat mich sehr eingeschüchtert.
Der nächste große Schritt war es, Webinare zu halten. Und heute gehen Sie mir gut von der Hand. Ich freue mich auf jeden Termin und habe eine gewisse Routine entwickelt. Ohne Webinare und ohne meinen Blog stände ich nicht da, wo ich jetzt bin. Sie sind meine Akquise-Instrumente, welche ich auch erst Stück für Stück erlernen musste und sie haben mich anfangs etwas Überwindung gekostet.
Weiter geht es mit Vorträgen auf Netzwerkveranstaltungen, Karrieremessen bzw. bei der IHK. Sie fallen nicht jedem zu, aber wenn sie gemeistert worden sind, ist man einen Schritt weitergekommen.
Setzen Sie sich kleine Ziele, die Sie schaffen können. Ich sage immer, eins nach dem anderen. Die eine braucht mehr Zeit, die nächste packt vieles in kurzer Zeit an.

 

Sie möchten mehr für Ihr Selbstmarketing auf LinkedIn tun? Kontaktieren Sie mich, wenn Sie Herausfinden möchten, zu welchen Themen Sie sich in Zukunft auf LinkedIn einbringen könnten. In einer gemeinsamen Beratungsstunde oder im Rahmen der Profil-Optimierung kann ich Ihnen mit Sicherheit hilfreiche Tipps geben.

Zum Titelbild: Ich habe den Frosch gewählt. Nicht, weil ich ihn besonders hübsch fand, sondern, weil er als Krafttier für Mut für neue Unternehmungen, den “Sprung” wagen, Heilung, Energie, Fruchtbarkeit, Kreativität gilt. Packen wir es also an!

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Meine Buchtipps für lange Herbstabende

Die Abende werden wieder länger und was gibt es Schöneres als es sich auf dem Sofa bequem zu machen und zu lesen. Egal ob Sommer oder Winter, wenn ich es einrichten kann und Zeit zum Lesen finde, dann genieße ich das sehr. Die folgenden Bücher habe ich in den letzten Wochen mit Freude gelesen und sie haben mich in irgendeiner Weise inspiriert. Gerne gebe ich sie heute als Buchtipps für den Herbst weiter.

Quiet“ von Susan Cain

Ich gehöre selbst eher zu den introvertierten Menschen der Gesellschaft und habe mich in den Beschreibungen so oft wiedererkannt. Gewisse Verhaltensmuster konnte ich richtig gut nachvollziehen. Auch das Verhalten engerer Mitmenschen in gewissen Situationen, kann ich seitdem ich „Quiet“ gelesen habe, besser einordnen.

Besonders spannend fand ich die Studien mit Kindern und Jugendlichen, wie früh man eine Neigung erkennen kann und wie wichtig es ist, dass Introvertierte alleine und in Ruhe arbeiten dürfen. So habe ich an dem Tag beschlossen, dass das Erledigen der Hausaufgaben idealerweise doch im eigenen Zimmer und nicht am Familientisch passieren sollte. Ich verstehe auch, warum ich mich hier in meiner Selbständigkeit so wohl fühle und so gut alleine für mich arbeiten kann.

Eigentlich sollte jeder, egal ob extrovertiert oder introvertiert, dieses Buch lesen. Es hilft, andere Menschen besser zu verstehen und mit ihnen klarzukommen.

Lean in“ von Sheryl Sandberg

In meinen Augen, ein Muß für jede Frau, welche beruflich etwas erreichen möchte. Sheryl Sandberg schreibt als COO bei Facebook über ihre beruflichen Erfahrungen bei Google, ihre Schwangerschaften, welche sie als Führungsperson erlebt hat und welche Beobachtungen sie als weibliche Führungskraft machen konnte. Ihre Beschreibungen waren sehr sympathisch, leicht nachvollziehbar und haben mir Einblicke in eine Welt gegeben, die ich zwar kannte, aber nie so wahrgenommen habe. Ihre Beobachtungen über das weibliche Verhalten in Meetings, bei Konferenzen etc zeigen, wie anders wir sind und warum das Verhalten so oft dazu führt, dass Männer eher in Führungsrollen zu finden sind. Sie beschreibt, wie sich zumindest einige Barrieren umgehen lassen, um Frauen den Weg in die Führungsetagen zu zeigen. Ich rate jungen Frauen mit Karrierewünschen, sich das Buch genauer anzusehen. Es liest sich schnell und kann immer wieder zu Rate gezogen werden.

Der Elefantenflüsterer“, von Antony Lawrence und Graham Spence

Dieses Buch habe ich im Urlaub am Strand gelesen. Es war ein wunderbarer Ausflug in die Weiten Afrikas. Seit meiner Kindheit mag ich Elefanten sehr gerne. Seit einem Erlebnis in einem Zirkus vor vielen Jahren sehe ich allerdings das Halten in Zoos oder im Zirkus eher kritisch. Umso spannender fand ich diese ausführliche Beschreibung des Lebens mit Elefanten in einem Wildreservat wo sie in ihrem natürlichen Lebensumfeld leben dürfen. Die Erlebnisse mit den riesigen Säugetieren haben mir die Tiere noch viel näher gebracht und einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, dass Tiere in ihrer gewohnten natürlichen Umgebung leben dürfen. Fasziniert hat mich der enorme Aufwand, den das Halten dieser Tiere für den Reservats-Besitzer bedeutete, wie viel Zeit und Energie er verwendet hat, um diese wunderschönen feinfühligen Tiere zu halten und ihnen den Respekt zu geben, den die verdienen. Gerne würde ich mal eine solche Tour nach Afrika unternehmen um die sanften Riesen zu sehen und ihren Anblick genießen zu dürfen. Antony Lawrence schreibt sehr sympathisch, leicht verständlich, bei seinen ausführlichen, oftmals sehr spannenden Beschreibungen wollte ich das Buch kaum weglegen. Eine Szene mit dem todkranken Elefantenbaby hat mich zu Tränen gerührt und ich war regelrecht traurig, als ich mit dem Buch fertig war.

 

Was haben Sie zuletzt gelesen und hat Sie inspiriert? Ich freue mich auf Ihren Kommentar hier im Blog!

Hin und Weg: Die Welt der globalen Kinder

 

    Ein Gespräch mit Doris Traudt

In meinem heutigen Blogartikel geht es auch um Internationalisierung, allerdings nicht im Unternehmen sondern welche Auswirkungen es hat, wenn Mitarbeiter ins Ausland geschickt werden, um dort den Markt zu erschließen. In großen Unternehmen oder beim Auswärtigen Amt stehen diese Entsendungen auf der Tagesordnung. Für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet das nicht nur, dass sie auf eine neue Arbeitsumgebung und ein neues Aufgabengebiet treffen, sondern die Zeit in einem anderen Land bzw. anderen Kultur prägt das Leben der Familien nachhaltig.

 

InterviewDank des Unternehmerinnen-Netzwerks W.I.N hatte ich die Gelegenheit, Doris Traudt kennenzulernen und mehr über ihre Arbeit als Coach für hochmobile Familien zu erfahren. Ihr besonderes Augenmerk gilt mitreisenden (Ehe-) Partnern und den Kindern in diesen Familien. Was es bedeutet, Teil einer hochmobilen Familie zu sein hat sie selbst erlebt, als sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Südafrika wohnte. 2010 kehrten sie von dort zurück. Heute lebt Doris Traudt mit ihrer Familie in Karlsruhe. Mehr zu ihrer Tätigkeit erfahren Sie hier auf Ihrer Webseite I am home.

 

In einem Gespräch habe ich mehr über ihre eigenen Erfahrungen als Expat erfahren dürfen, was der Auslandsaufenthalt für ihren Sohn bedeutet hat und welche Tipps sie geben kann, wenn ein solcher Schritt in der Familie ansteht.

In Deiner Berufsbezeichnung taucht der Begriff „hochmobile Familien“ auf. Was verbirgt sich genau dahinter und wer gehört dazu?

Es handelt sich um Menschen, die zeitweise nicht in ihrem Heimatland leben (Flüchtlinge ausgenommen. Weltweit sind es mehr als 200 Millionen Menschen. Wie viele Deutsche nun im Ausland leben, – die sogenannten ‚Expatriates‘ oder auch ‚Expats‘-, ist gar nicht so leicht zu beziffern. Zwar meldet das Statistische Bundesamt, dass jährlich mehr als 140.000 Deutsche das Land verlassen (fast genauso viele kommen auch wieder zurück), aber nicht jeder Expat meldet sich für die Zeit seines Auslandsaufenthaltes in Deutschland ab. Vermutlich leben aber mehr als 2 Millionen Deutsche zumindest zeitweise im Ausland, und die Anzahl steigt von Jahr zu Jahr. Das hat vor allem mit Veränderungen in der Arbeitswelt zu tun. Immer mehr Firmen schicken Mitarbeiter für ein paar Jahre ins Ausland, und viele nehmen ihre Familien mit. Der Trend, mit Familie rauszugehen hat sich in den letzten Jahren verstärkt.

Du hast Dich auf die Beratung dieser Familien, insbesondere der Frauen und Kinder spezialisiert und warst ja selber einige Jahre im Ausland. Welche eigenen Erfahrungen hast Du gemacht?

2005 sind mein Mann und ich mit unserem Sohn nach Südafrika gezogen. Ich kann mich erinnern, wie meinem Mann die Tränen kamen, als wir mit unserem damals 9-jährigen Sohn zum ersten Schultag in Johannesburg gingen. Es schien uns ein größerer Schritt zu sein, unseren Sohn auf eine ausländische Schule zu schicken, als auf eine deutsche. Es war auch in Johannesburg eine Waldorfschule, wie es zuvor in Deutschland ebenfalls eine Waldorfschule gewesen war. Aber: jetzt war sie englischsprachig. Wir waren mutig und verzweifelt, hatten keine Ahnung, ob das nun wirklich die richtige Entscheidung war, hierher gezogen zu sein. Wir ahnten irgendwie, dass die Zeit an einer südafrikanischen Schule unseren Sohn verändern würde. Dass er aber zu einem sogenannten ‚Third Culture Kid‘ werden würde, zu einem ‚Drittkulturkind‘, das wussten wir nicht. Drittkulturkinder entwickeln sich etwas in der Kultur ihres Herkunftslandes, und sie übernehmen ebenso etwas die Kultur ihres Gastlandes. Sie entwickeln so eine ganz eigene Lebenskultur. Solche Kinder sprechen nach der Rückkehr von einem Auslandsaufenthalt meistens noch gut deutsch, werden aber von Kindern, die Deutschland nie verlassen haben oft nicht so richtig verstanden. Treffen Drittkulturkinder aber auf andere Drittkulturkinder, verstehen sie einander sofort.

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich jüngere Kinder sehr schnell auf neue Situationen einlassen und schneller neue Freunde finden. Wie war das bei Euch?

Das ist richtig. Jüngere Kinder haben es dabei leichter als ältere. Sie lernen die Sprache des Gastlandes schneller, sie lassen meistens nicht so viele enge Freunde zurück, sie sind noch nicht so eng an eine Schulwelt gebunden. Unserem damals 9-jährigen Sohn war allerdings schon beim Rausgehen schmerzlich bewusst, dass er von da an neue Freundschaften aufbauen würde, von denen er sich nach ein paar Jahren aber wieder verabschieden werden müsse. Unser Sohn hat sich sehr gut an die neue Situation gewöhnt und davon profitiert. Nach 2 Jahren sprach er fließend englisch, besser als deutsch.

Worauf sollte man schon in der Vorbereitungsphase achten um das Einleben in der neuen Kultur zu erleichtern? Welchen Tipp kannst Du diesen Familien geben?

Ich halte eine gute Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt für die Kinder schon vor der Ausreise für wichtig. Sie sollten schon lange vor dem Abreisetag in den Wechsel miteinbezogen werden. Sie brauchen auch dann schon ein Gefühl der Sicherheit: die Großeltern wohnen weiterhin am gewohnten Ort; wir werden sie besuchen kommen. Feste Rituale einen die Familie, geben den Kindern Halt.

Die erste Zeit im neuen Land ist die Zeit der Euphorie: Ankunft im neuen Land, ein anderes Wetter, eine andere Sprache, anderes Essen. In dieser Phase geht es Eltern wie Kindern meistens gleichermaßen gut. Der Umzugswagen kommt, ein neues Haus, eine neue Wohnung wird eingerichtet. Großes Abenteuer: die neue Schule, neue Klassenkameraden. Hier werden die Kinder unterschiedlich reagieren: manche werden leicht Anschluss finden, vergessen schnell die in Deutschland gebliebenen Freunde. Andere brauchen noch intensiven Kontakt mit ihren früheren Klassenkameraden. Auch hier gilt: Sicherheit vermitteln. Die Familie ist der Ort der Sicherheit, der Geborgenheit. Hier wird untereinander noch deutsch gesprochen. Die Grundstimmung zum Leben im Gastland sollte positiv sein.

Warum hälst Du ein Coaching gerade für die Frauen für so wichtig und wie hast Du die Situation erlebt, als Du in Südafrika warst?

Nach der Euphorie teilen sich die Erlebniswelten der Familienmitglieder oft: der berufstätige Teil der Familie , – auch in der heutigen Zeit meistens noch der Mann (aber: langsam ändert es sich!) -, hat eine Beschäftigung, kommt nicht zum Nachdenken. Die Kinder gehen in der Schule meistens einen guten Weg, brauchen aber weiterhin Sicherheit.
Die Ehefrau allerdings hat keine Arbeitserlaubnis, hat nichts zu tun, sucht verzweifelt nach Sozialkontakten. Sie fällt oft in ein tiefes Loch, erlebt eine Phase der Krise. Spätestens jetzt ist Coaching angesagt, diese Menschen brauchen Hilfe. Wie oft habe ich meinen Mann verflucht, dass sein Job uns nach Südafrika ‚verbannt‘ hatte? So empfand ich das, vor allem im ersten Jahr.

Welche Empfindungen hast Du nach einigen Jahren, die Du nun wieder in Deutschland bist?

Was bleibt? Ein ewiger Drang nach Rausgehen, nach Unterwegs-Sein? Oder der Wunsch nach einem Zuhause? Beides stimmt. Aber das Gefühl, ein Weltbürger zu sein, das bleibt.

Vielen Dank für das interessante und vertrauensvolle Gespräch. Kennen Sie Familien, die im Ausland gelebt haben? Oder welche eigenen Erfahrungen haben Sie mit diesem Thema gemacht? Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

Portraitfoto: Elisabeth Pfahler-Scharf, die Emotionsfotografin