7 Fehler beim beruflichen Netzwerken

Mit Beginn meiner Selbständigkeit musste ich das Thema Networking erst lernen, zumindest in einem anderen Kontext. Zuvor war ich zwar häufiger auf Veranstaltungen wie Messen, Stammtischen oder Konferenzen und habe mir dabei auch ein berufliches Netzwerk aufgebaut, aber das war ja immer mit dem Ziel, Kontakte für den damaligen Arbeitgeber zu finden und beispielsweise Kooperationen aufzubauen.

Seit nunmehr sieben Jahren nimmt das Networking einen neuen Stellenwert für mich ein, weil ich seitdem für mein eigenes Business unterwegs bin. Im Sommer 2012 habe ich mal einen Stammtisch des Bundes für Selbständige in Bayern besucht, wurde auf ein BNI-Frühstück nach Grünwald eingeladen und kam mit der Networking-Gruppe von W.I.N Women in Network in Kontakt, wo ich auch für zwei Jahre Mitglied wurde. Es war damals die genau richtige Entscheidung, weil mir klar wurde: Der Austausch mit Gleichgesinnten ist ungemein wichtig und ich brauchte es, um meine Selbständigkeit voranzutreiben. Nach den meisten Veranstaltungen ging ich gestärkt und sehr motiviert nach Hause.

Heute, 2019 versuche ich einmal im Monat zu einer Veranstaltung zu gehen. Seit einem reichlichen Jahr bin ich Mitglied bei den Webgrrls, gehe gerne zu den Mom-Works-Meetups oder zum MUSO (Münchner Unternehmerinnen Südost) oder dem BBC (Business Breakfast Club). Parallel nutze ich die sozialen Netzwerke und verknüpfe mich dort regelmäßig mit neuen interessanten Personen. Dank dieser Möglichkeiten in München habe ich Kooperationen aufbauen können und neue, inspirierende Freundschaften konnten entstehen.

Ich werde häufiger in meinen Beratungen nach den Do‘s und Dont‘s beim Netzwerken gefragt. Damals, 2012 habe ich auch ein paar Fehler gemacht und beobachte den einen oder anderen kleinen Faux-Pas bei Anderen.

Welche 7 Fehler beim beruflichen Netzwerken sollten Sie vermeiden?

1. Sie fangen zu spät an bzw. wollen mit einem Mini-Netzwerk Resultate sehen

Wo noch kein Netzwerk ist oder nur ein eingeschlafenes Netzwerk vorhanden ist, kann man auch nicht bei der Jobsuche oder Akquise sofort mit großen Erfolgen rechnen. Wirklichen Erfolge sieht man erst nach mehreren Wochen oder manchmal Jahren.

Wer bereits ein Jahr oder länger in Vorleistung gegangen ist und sich sein Netzwerk aufgebaut hat, regelmäßig kommuniziert, tut sich leichter, im Zuge einer Jobsuche auf Kontakte zuzugehen und sie nach offenen Stellen oder auf ausgeschriebene Stellen anzusprechen. Auch das berühmte Angebot, mal wieder gemeinsam ein Bier oder Kaffee zu trinken, kommt weniger plump rüber, wenn man sich in letzter Zeit zumindest auch Online kurz ausgetauscht hat. Fangen Sie daher rechtzeitig an und pflegen das Netzwerken kontinuierlich.

2. Sie drücken sich vor den Offline-Veranstaltungen

Gerade die Introvertierten unter uns, mögen diese Veranstaltungen eher nicht. Was vielleicht tröstet: Viele Netzwerk-Veranstaltungen werden mit einem Vortrag kombiniert. Daher finde ich die Mischung aus Weiterbildung, gemeinsamem Frühstück oder Kaffee und der Vorstellungsrunde für sehr effektiv. Ich mag so große Veranstaltungen auch nicht und empfinde es als anstrengend, so dass ich meinem Schweinehund auch manchmal einen Streich spielen musste. Sobald man aber das passende Netzwerk gefunden hat, ist es wie „Nach Hause kommen“ und die positiven Empfindungen überwiegen. Mit der Zeit trifft man bekannte Gesichter und es wird leichter.

Ich möchte Ihnen, falls Sie auch eher zurückhaltend sind, sagen, dass das kein Hindernis sein sollte. Auf Netzwerkevents sind nicht nur „Rampensäue“ sondern Menschen wie Sie und Ich unterwegs. Vielleicht legen Sie sich ein paar Fragen bereit, welche Sie bei Gelegenheit verwenden. Das kann z.B. sein:

  • Waren Sie schon mal hier? Was machen Sie beruflich?
  • Kennen Sie die heutige Referentin schon?
  • Warum interessiert Sie genau das Thema?

Meistens kommt so das Gespräch sehr gut ins Rollen und ehrlich: mir sind bisher immer sehr nette Gesprächspartner/Innen begegnet.

3. Ihr Online-Auftritt entspricht nicht Ihrem Offline-Auftritt

Auch das gibt es: Bei den Netzwerkveranstaltungen spricht eine Person von Thema X und verweist auf eine Veranstaltung zu einem Gesundheitsthema zu welcher die Teilnehmer eingeladen werden. Am Tag darauf schaue ich mir ihren Online-Auftritt an und stelle fest, dass sie eigentlich SEO-Beratung anbietet und als Mediatorin arbeitet. Ja, was denn nun? Habe ich nicht richtig zugehört oder kann diese Person alles?

Ihre Kurzvorstellung auf Netzwerkveranstaltungen bzw. Ihr Elevator Pitch sollte genau das widerspiegeln, was Sie über Ihre Online-Kommunikation und Ihre Webseite transportieren. Wer sich seiner Sache noch nicht sicher ist, neigt häufig zu Inkonsistenzen in den Online-Präsenzen. Arbeiten Sie daran, denn nur durch eine klare und einheitliche, leicht verständliche Kommunikation Ihres beruflichen Themas, werden Sie auch weiter empfohlen.

4. Sie vermeiden das Netzwerken in sozialen Medien um jeden Preis

Sie sind zwar auf fast jeder Netzwerkveranstaltung und man hat schon mehrere Visitenkarten von Ihnen erhalten. Wenn ich Sie aber auf XING oder LinkedIn suche, finde ich kein Profil bzw. das Profil ist mehr oder weniger leer.

Ich kann Ihnen nur empfehlen: Arbeiten Sie an einem professionellen Profil und füllen Sie in den Business-Portalen XING und/ oder LinkedIn die wichtigsten Bereiche aus. Meiner Meinung nach ist es völlig ok, wenn man sich gegen Facebook entscheidet. Aber eine Webseite sowie ein Profil auf einem Business-Netzwerk sollte nicht fehlen. Tipps für ein professionelles LinkedIn-Profil erhalten Sie z.B. über meinen Newsletter bzw. meinen Leitfaden.

5. Sie vernetzen sich nicht nach dem 1. Kennenlernen

Das habe ich nach meiner 1. W.I.N-Veranstaltung gelernt. Am nächsten Morgen nach der Versammlung hatte ich einige Kontaktanfragen auf XING in der Mailbox und habe diese auch sehr schnell bestätigt. Auch fand ich es sehr schön, dass die meisten Anfragen mit einer persönlichen und freundlichen Nachricht kombiniert worden sind. Diese Angewohnheit habe ich auch recht schnell übernommen.

6. Sie reden nur über Belangloses

Nutzen Sie die Netzwerkveranstaltungen, um über Ihre Themen, also Ihr Business zu sprechen. Sicher, man kann über das Wetter, die nette Referentin und das reichhaltige Frühstück sprechen. Spannend und echtes Business-Netzwerken ist es nur dann, wenn Sie vom Gegenüber eine Idee haben, welche Dienstleistungen er anbietet, wer seine Kunden sind und wie Sie ggf. kooperieren könnten. Und andersherum soll Ihr Gegenüber auch eine Idee bekommen, was Sie im Rahmen Ihrer beruflichen Tätigkeit machen.

Nach einem kurzen belanglosen Small-Talk darf daher schon über das Geschäft gesprochen werden.

Mit der Zeit entwickelt man auch das richtige Fingerspitzengefühl, wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Ich mag daher auch die Netzwerkveranstaltungen besonders gerne, welche die Kurzvorstellungen zu Beginn anbieten, dann kann man in der Pause oder zum Schluss der offiziellen Veranstaltung auf die passenden Personen zugehen.

7. Sie fallen mit der Tür ins Haus

Auch hier ist wieder Fingerspitzengefühl gefragt. Die meisten haben es, aber leider gibt es auch Ausnahmen. Zu Beginn meiner Selbständigkeit wurde ich schonmal um Angebote gebeten, bin zu Treffen persönlich gefahren, obwohl die Person eigentlich nur mit mir ins Gespräch kommen wollte, um ihre eigenen Produkte zu verkaufen. Das kam gar nicht gut an.

Auch Online-Kontaktanfragen, welche im nächsten Schritt mit Angeboten verknüpft sind, mag wohl keiner von uns.

Ein Kontakt ist erstmal nur ein Kontakt. Daraus kann eine Beziehung wachsen, indem man sich bei weiteren Treffen näher austauscht und man sich durch die aktive Online-Nutzung häufiger auch virtuell begegnet. Dadurch sieht man ja das konkrete Angebot der Person. Da braucht es keinen zusätzlichen Hinweis auf das Angebot. Oder, was meinen Sie?

Bonus: Sie haben keine Visitenkarten oder einen Flyer dabei

Papierloses Büro hin- oder her. Ich finde nicht, dass die Visitenkarte aussterben wird oder sollte. Sie können sich auf der Veranstaltung selbst sofort per Facebook, XING oder LinkedIn vernetzen. Das geht schon. Aber eine Karte, welche Sie noch ein paar Tage auf Ihrem Tisch liegen haben, sich die Webseite des neuen Kontakts mal in Ruhe anschauen, hat Chancen, nachhaltiger in Erinnerung zu bleiben.

Gibt es noch weitere Faux-Pas, welche Ihnen beim Netzwerken aufgefallen sind? Ich freue mich auf einen Kommentar hier im Blog.

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Blick ins Nachbarland: B2B Social Media in Frankreich

Puzzle mit B2B Marketing

Social Media im B2B hat in Deutschland einen wichtigen Stellenwert bekommen so dass Marketing-Experten Listen von Vorteilen für Unternehmen erstellen können und obendrein viele Beispiele nennen, wo erfolgreich Social Media ins Marketing von B2B-Unternehmen integriert wird. Ist das in anderen Ländern ähnlich oder ist Social Media dort eher B2C-lastig?

Andere Länder, andere Sitten: So wie die Kultur, die Lebensweisen und Eßgewohnheiten anders sein können, so sind auch die Social Media Gepflogenheiten von Land zu Land verschieden. Manchmal sieht man das auch erst auf den 2. Blick.

Die genaue Betrachtung der Branche, der Zielgruppe und deren Nutzung des Social Webs ist der wichtigste Schritt bevor man sich für eine Plattform entscheidet. Wie bei jeder Strategie ist das genaue Beobachten der Situation sowie das Vorformulieren von klaren Zielen immer der erste Schritt. Das gilt für jedes Land. Schauen wir nun mal ins direkte Nachbarland, nach Frankreich:

Ziele und Grundlagen

Hier wird B2B Social Media sehr gerne im Bereich Human Resources, zur Lead Generierung und zur Steigerung der Bekanntheit der Marke eingesetzt.

Fragen wir uns aber erst einmal, wie B2B-Einkäufer das Internet für den Kaupfprozess einsetzen. Anhand der Ergebnisse dieser Studie stehen Suchmaschinen und Empfehlungen anderer ganz weit oben. Also sollte die Firmenwebseite gut zu finden sein. Auch ist SEO-technisch ein Corporate Blog ein perfektes Tool um schneller mit interessanten Inhalten gefunden zu werden.

Meine Beobachtungen von B2B Social Media in Frankreich haben ergeben:

  • Einsatz von Videos und Fotos auf den eigenen Plattformen wie der Homepage und externen Plattformen wie Youtube und Flickr.
  • Unternehmensseiten auf Facebook und Twitter um Traffic auf die eigenen Seiten zu generieren
  • Interviews mit Video-Plattformen wie Widoobiz.
  • Für größere Unternehmen: geschulte Social Media Teams die die Pflege der Plattformen regelmäßig und mit geeigneten Inhalten übernehmen

Was nicht fehlen sollte: Unternehmensblogs

Im eigenen Blog kann sich das Unternehmen regelmäßig äußern, das Produkt oder Marke für den Kunden greifbarer machen, es ist SEO-technisch besser zu finden und nützliche Inhalte werden sehr gerne von anderen geteilt so dass sich der Taffic auf die eigene Seite durch vermehrtes Teilen erhöht. Frankreich ist eine Bloggernation. Hier ist die Blogosphäre deutlich stärker ausdifferenziert und in verschiedenen Bereichen wie z.B. auch der Politik wird sehr viel engagierter seine Meinung in Blogs preisgetan als es in Deutschland der Fall ist. 2006 gab es in Frankreich 2,5 Millionen Blogs verglichen mit nur 0,4 Millionen in Deutschland wie hier bei Upload beschrieben. Heute sprechen wir immer noch von wenigen 100.000 Blogs und im Gegensatz dazu haben wir 23 Millionen Facebook-Nutzer.

Das Business-Netzwerk Viadeo:

Da gibt es aber noch mehr: Ein Business-Netzwerk genannt Viadeo. Das kennen hier in Deutschland die Wenigsten, in Frankreich ist es in aller Munde.  Laut Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Viadeo)  ist Viadeo ist ein professionelles soziales Netzwerk mit offiziell über 40 Millionen Mitgliedern. Der Firmensitz befindet sich in Paris. Viadeo ist einer der größten Konkurrenten von LinkedIn. Die meisten Nutzer kommen aus China, gefolgt von FrankreichBrasilien und Mexiko und nach Mandarin sind die meistgesprochenen Sprachen Französisch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch. So wie Xing in Deutschland in vielen B2B Social Media Strategien nicht fehlen sollte, ist Viadeo ein sehr wichtiger Bestandteil des lokalen Social Medias, für viele Unternehmen und Unternehmen zusätzlich auch noch LinkedIN. Auch hier gibt es Gruppen, Veranstaltungen können organisiert werden und über eine Suchmaske Kontakte gefunden werden.

Zusammenfassend kann ich sagen: in vielen Punkten ticken wir doch recht ähnlich, aber es gibt ein paar Unterschiede, die zu beachten sind, wenn man in Frankreich erfolgreiches B2B Social Media durchführen möchte.

 

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