Interview mit Design Delivery: Auf Expansionskurs nach Deutschland und Übersee

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, mit Dennis Lenard dem Geschäftsführer von Design Delivery über deren Expansion von UK nach Deutschland zu sprechen und mehr über unterschiedliche Vorlieben verschiedener Kulturen zu erfahren, wenn es um das Design wichtiger Dokumente im Geschäftsleben geht.

1. Was genau bietet die Plattform https://www.designdelivery.de an, und für wen ist sie am besten geeignet?

Design Delivery ist ein Design Service für kleine Unternehmen und Freiberufler. Hier kann man online bestellen und den gesamten Projektablauf online kontrollieren.

Es ist heute sehr wichtig sich glaubwürdig zu präsentieren, egal ob offline mit einem Flyer oder online mit einem Social Media Cover. Für viele kleine Unternehmen ist dies eine große Hürde, weil klassische Agenturen zu teuer sind und Leute, die es nebenbei machen, nur selten die notwendige Qualität und Verlässlichkeit anbieten können. Wir sind eine Agentur und haben ein erfahrenes Team. Durch unsere Online Plattform haben wir unsere Prozesse so gut optimiert, dass wir qualitatives Design zu wirklich erschwinglichen Preisen anbieten können.

2. Design Delivery gibt es seit ca. einem Jahr auf Englisch (UK-Variante) und seit einigen Monaten auch in Deutsch. Sind noch weitere Sprachversionen geplant?

Ja. Bis Ende des Sommers folgt eine Design Delivery Version für den amerikanischen Markt – die wird zwar auch Englisch, aber einige Elemente der Plattform werden angepasst. In 2015 wollen wir dann noch in einigen europäischen und asiatischen Märkten starten.

3. Werden in beiden Ländern die gleichen Produkte bzw. Dienstleistungen angeboten? Welche Dienstleistung wird in welchem Land besonders gerne gekauft? Haben Sie eine Erklärung dafür?

Die meisten Leistungen sind gleich, aber es gibt auch Unterschiede.

Zum Beispiel gibt es in UK Design für den sogenannten „Kompliment Slip“ der in Deutschland kaum genutzt wird. Das ist eine Art Visitenkarte wo der Dienstleister etwas Persönliches für den Kunden von Hand hinzufügt. Das kann auch nur eine Telefonnummer sein. Was dabei zählt, ist das persönliche Element.

Frage 3 Beispiel Compliment Slip

Dann wird in UK viel Design für Rechnungen bestellt. In Deutschland werden Rechnungen nicht so oft professionell designed, in UK wird aber Wert darauf gelegt, dass die Rechnung, als wesentliches Dokument im Geschäftsaustausch, einen gepflegten Eindruck macht.

Deutsche Kunden bestellen öfter Social Media Cover, was zeigt, dass sie sich der Bedeutung dieser Kanäle bewusst sind. Kunden aus UK legen nicht so viel Wert auf diese Kanäle, aber das ändert sich schnell.

4. Was sind Ihre Beobachtungen in puncto Unterschiede bei Design-Wünschen der deutschen und der britischen Kunden?

Hier gibt es große Unterschiede. Design hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Das Design, das heute modern ist, hat nur noch wenig mit dem Design der Jahre 2000-2006 zu tun.

In UK sind sich die Kunden dessen bewusst und wollen deshalb auch ein modernes Design haben. Sie machen sich auch mehr Gedanken zu Details, die sie im Design sehen wollen und kommunizieren uns diese explizit.

In Deutschland haben wir öfter Kunden die sich ein klassisches Design wünschen, oder sich nicht trauen, ein modernes Design zu nutzen. Dies ist schade, weil das moderne Design effizienter im Marketing ist, auch in Deutschland. Oder es gibt viele Kunden in Deutschland die sich ein modernes Design wünschen, dafür aber nicht genau wissen was das für sie konkret bedeutet.

Wir sind natürlich da, um den Kunden zu beraten und um ihm zu erklären welche Möglichkeiten es gibt. Das machen wir gern, weil die meisten unserer Kunden mehrere Male bestellen und wir durch diese Beratung ein gutes Arbeitsverhältnis mit dem Kunden aufbauen.

Frage 4 Vergleich Designs

5. Gab es eine Herausforderung bei der Expansion in den deutschen Markt, mit der Sie so nicht gerechnet hatten?

Unsere große Sorge war, dass die deutschen Kunden vielleicht nicht so einfach mit dem Kundenkonto auskommen wie die britischen Kunden, das war aber nicht der Fall. Bevor wir in Deutschland online gegangen sind, haben wir viel daran optimiert und wir haben bisher nur gutes Feedback bekommen. Das ist eine Herausforderung, die wir erwartet haben, die es aber nicht gegeben hat.

Die größte Herausforderung war, dass wir in uns im Kundenbetreuungsprozess viel mehr an den deutschen Kunden anpassen müssen. Das konnten wir nicht vorhersehen und es war eine Überraschung. Wir hatten natürlich verschiedene Prozeduren anhand der Erfahrung in UK vorbereitet und das Kundenservice-Team entsprechend geschult. Wir mussten danach noch viel anpassen und erst einige Schritte was Prozeduren angeht zurückgehen, um diese neu zu definieren.

6. Wie sehen Sie den Ausgleich zwischen Standardisierung und Anpassung an lokale Verhältnisse? War es schwer die richtige Balance zu finden?

Anpassungen sind sehr wichtig, sie bringen aber auch mehrere Probleme mit sich. Das eine Problem ist Effizienz, riskanter ist aber, dass jede Anpassung ein neues Experiment bedeutet, was auch negative Folgen haben kann.

Dadurch, dass wir in Deutschland den Kunden mehr beraten müssen, geht natürlich auch unsere Effizienz zurück. Hier haben wir uns angepasst, weil von Anfang an ein wichtiges Prinzip unseres Unternehmens darin besteht, mit unseren Kunden eine lange Beziehung einzugehen. Somit haben wir uns hier angepasst ohne den Kern unseres Business Modells zu ändern.

Umso mehr Länder wir hinzufügen, umso schwieriger wird es aber sein, die richtige Balance zu finden. Damit das gelingt, ist es wichtig, den Kern des Geschäfts gut zu kennen und oft passiert das nicht von selbst. Ein externer Berater wird früher oder später wichtig sein, damit wir weiter wachsen können.

7. Haben Sie auch an Franchise oder Partner gedacht, um schneller zu expandieren?

Franchise oder Partner sind zwei gute Modelle mit denen man schneller expandieren kann. Ich denke in unserem Fall würde das aber nicht so gut funktionieren. Das Know-How um die Design-Prozeduren so zu organisieren, dass sowohl gute Qualität als auch Effizienz entstehen, ist nicht leicht zu transferieren. Deshalb setzen wir eher auf ein langsames Wachstum Schritt für Schritt.

 

Vielen Dank an Dennis von Design Delivery für das interessante Gespräch!

Fotos: © DesignDelivery

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