4 Tipps aus dem Personaler-Nähkästchen für Jobsuchende

Mein Name ist Patrizia Kaiser und ich bin seit mehr als 15 Jahren im Personalmanagement in diversen Positionen, Unternehmen und Branchen tätig. Seit 3 Jahren bin ich selbstständig als Personalexpertin, Trainerin, Coach und Beraterin zu Bewerbungsprozessen. Gerade im Rahmen von Bewerbungscoachings plaudere ich gerne aus dem „Personaler-Nähkästchen“ und mache meinen Kunden verständlich, worauf es in den Auswahlprozessen ankommt, worauf Personalentscheider mit bestimmten Fragen hinauswollen, wie man Fragen überzeugend beantwortet etc. WEitere Details zu meiner Tätigkeit finden Sie auch auf meiner Webseite „HR und Perspektiven“.

1. Was hältst Du davon, sich initiativ zu bewerben?

Patrizia Kaiser: Grundsätzlich halte ich es für eine gute Idee, unter folgender Voraussetzung: Der Bewerber / die Bewerberin sollte im Vorhinein geklärt haben, ob das Unternehmen Initiativbewerbungen willkommen heißt. In Zeiten des War for Talents sind bereits viele Unternehmen mit der notwendigen Weitsicht unterwegs und stellen Bewerbern die Möglichkeit zur Verfügung, sich z.B. in deren Recruiting Portalen zu registrieren und ihr Profil zur Besetzung für nicht nur aktuelle, sondern auch eventuell in der Zukunft frei werdende und neu zu schaffende Stellen zur Verfügung zu stellen, Stichwort „unternehmenseigene Talentdatenbanken“. Diese sparen den Unternehmen Zeit und Geld bei der Besetzung von zukünftigen Vakanzen und stellen eine Möglichkeit zum Beziehungsaufbau zu Bewerbern dar.

Manche Firmen hingegen haben aber kein Interesse an Initiativbewerbungen. Daher, wenn es auf der Karriereseite des Unternehmens keinen Hinweis darauf gibt, dass man sich auch gerne initiativ bewerben darf, so sollten Bewerber*innen auf jeden Fall aktiv in der Personalabteilung nachfragen. Weiterhin bietet dieses Ersttelefonat auch die Chance, einen ersten positiven Eindruck zu hinterlassen. Voraussetzung ist natürlich, dass man sich auf das Telefonat vorbereitet und sich möglichst kurz und zielgerichtet ins positive Licht rückt. Nach einem guten ersten Gespräch wird die Initiativbewerbung, zu deren Einsendung man dann bestenfalls eingeladen wird, normalerweise auch wirklich früher oder später berücksichtigt. Wichtig ist hier, immer wieder einmal beim Unternehmen nachzuhaken bzw. abstimmen, wie man in Bezug auf die Initiativbewerbung am besten über die Dauer in Kontakt bleibt.

2. Was macht man im Jahr 2019 nicht mehr in Bezug auf die Bewerbungsunterlagen?

Patrizia Kaiser: Ganz grundsätzlich verschickt man sie nicht mehr per Post, sondern per E-Mail bzw. aufgrund der Datenschutzverordnung mittlerweile hauptsächlich über Bewerbungsportale. Die postalische Einsendung erzeugt hohen administrativen Aufwand im Unternehmen, womit man sich nicht unbedingt sofort Freunde schafft.

3. Wie sollten Bewerber mit den berühmten Lücken umgehen?

Patrizia Kaiser: Die Lücken sollte man füllen und schreiben, was man in den entsprechenden Zeiträumen gemacht hat. Ich spreche hier nicht von Lücken von 1-2 Monaten, die oft im Zuge von Neuorientierungen oder Jobwechseln auch entstehen können, sondern größere Lücken. Wenn diese offen bleiben, fallen die Bewerber im ersten Screening-Prozess durch den Personaler möglicherweise bereits durch. Wenn eine nachvollziehbare Erklärung eingefügt ist, kann diese zu einem Gesprächsthema im Rahmen des Interviews werden, und muss dann kein Absage-Kriterium sein. 

4. Ich berate ja häufiger Personen, welche bereits länger als 20 Jahre im Berufsleben stehen. Welchen Tipp zum Lebenslauf hast Du für diese Leser?

Patrizia Kaiser: Personen mit viel Berufserfahrung sollten sich ebenfalls idealerweise auf ca. 2-3 Seiten Lebenslauf beschränken. Es gibt diverse Möglichkeiten, wie man seine gegebenenfalls sehr breite Erfahrung kommunizieren kann, z.B. mittels einer Projektliste als Ergänzung zum Lebenslauf. Weiterhin sollten sich die Personen klar werden, auf welche Position sie sich bewerben und den Lebenslauf auf diese Position ausrichten. Das heißt, dass die Erfahrungen und Qualifikationen herausgestellt werden, die für den gewünschten neuen Job relevant sind. So können viele Details, die eben an der Stelle dann nicht so wichtig sind, ausgelassen werden und der Lebenslauf bleibt in einem vernünftigen Umfang. Ganz wichtig ist also zu berücksichtigen: Es gibt normalerweise nicht den einen Standard-Lebenslauf, genauso wenig natürlich wie das eine „one fits all“ Anschreiben. Die Unterlagen sollten auf die jeweilige Position und das Unternehmen angepasst werden, so dass für die Personalentscheider auf den ersten oder maximal zweiten Blick ersichtlich wird, dass der Bewerber / die Bewerberin für die Vakanz notwendige Qualifikationen mitbringt.

Vielen Dank an Patrizia für diese Tipps. Wir lernen, dass ein Anschreiben sehr wohl noch wichtig ist und dass man eine solche Projekteliste und eine knackige Kurzbeschreibung der Kernkompetenzen parat haben sollte.

Ein gut gepflegtes LinkedIn-Profil kann helfen, sich online mit Personalern zu vernetzen und einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen.

Patrizia Kaiser ist Personalexpertin, Trainerin, Coach und Beraterin zu Bewerbungsprozessen in München.

Interaktiver Vortrag: „Erobern Sie den verdeckten Stellenmarkt mit LinkedIn“

Am Samstag, den 30. März fand bei herrlichem Frühlingswetter in München unser erster Vortrag zum Thema „Erobere den verdeckten Stellenmarkt mit LinkedIn“ statt. Schon vor Monaten hatten Patrizia Kaiser, HR-Beraterin mit HRundperspektiven aus München und ich das Thema ins Auge gefasst.

Der Fakt, dass 2/3 der offenen Stellen gar nicht erst ausgeschrieben werden und nur ein winziger Teil der Jobsuchenden diesen „Markt“ nutzt, erschien uns interessant, als Vortrag anzubieten. Mein Part war der optimale Einsatz von LinkedIn mit anschaulichen Beispielen, worauf man bei einem professionellen LinkedIn-Profil achten sollte, um dank gutem Personal Branding von Recruitern oder Unternehmen gefunden zu werden.

Am Samstag konnten wir in mehr als zwei Stunden mit einer kleinen Runde an engagierten Jobsuchenden aus verschiedenen Branchen und mit unterschiedlich langer Berufserfahrung das Thema erkunden. Ein wichtiger Part war, dass man sich seiner Stärken bewusst sein muß und häufiger darüber sprechen sollte. Sprich mehr Selbstmarketing oder Eigen-PR kann bei der Jobsuche und gerne auch davor nicht schaden, sondern eher sehr hilfreich sein.

Unser Publikum war natürlich daran interessiert, seine persönlichen Fragen und Probleme zu adressieren. Wir sind im Laufe des Vormittags auf die folgenden Themen so gut wie möglich eingegangen:

  • Wie komme ich an eine Teilzeitstelle?
  • Was macht man mit Lücken im Lebenslauf?
  • Wie gelingt es auch mit 50+, sich von anderen Bewerbern abzuheben?
  • Macht es Sinn, als Vertriebsexperte die Branche zu wechseln?
  • Wie sinnvoll ist die Nutzung und Suche über Jobportale wie Monster, Indeed und Stepstone?
  • Wie wichtig ist es, sich mit einem Elevator Pitch bei anderen Personen vorzustellen, seinen beruflichen Hintergrund auf den Punkt zu bringen?
  • Benötigt man bei XING und LinkedIn eine Premium-Mitgliedschaft?
  • Wie sinnvoll sind Initiativ-Bewerbungen?
  • Wie geht man mit Kontaktanfragen von Personen um, welche man nicht kennt?
  • Welche Profilbereiche sind auf LinkedIn besonders relevant?

Für uns als Organisatorinnen war es ein spannender Vormittag mit neuen Eindrücken von der Bewerberseite. Dank dieser Veranstaltungen können wir als Berater in Zukunft noch zielgerichteter da ansetzen, wo es am Wichtigsten ist.

Tipps und Tricks für ein LinkedIn-Profil welches von Recruitern gefunden wird.
Nach getaner Arbeit

So geht Bewerben und Arbeiten im Ausland – Erfahrungen einer Übersetzerin

Seit neuestem unterstützt mich Crissy Müller als Kooperationspartnerin, indem sie Profiltexte vom Deutschen ins Englische übersetzt. Da sie als Amerikanerin bereits in verschiedenen Ländern gelebt und gearbeitet hat, haben wir uns über ihre Erfahrungen etwas näher ausgetauscht. Lesen Sie in diesem Interview, was sie in puncto Bewerbungen in den USA und Gründung in der Schweiz erlebt hat und welche Tipps sie an uns weitergeben kann.

Hallo Crissy, Du hast ja bereits in verschiedenen Ländern gelebt und dort auch gearbeitet. Wo bist Du gewesen und kannst Du kurz etwas über Deine Tätigkeiten in den anderen Ländern sagen?

Crissy Müller: Ich habe in den USA, der Schweiz und in Deutschland gelebt und gearbeitet. Als Program Managerin war ich für mehrere Jahre sowohl in einem Unternehmen als auch in einer unabhängigen Non-Profit Organisation tätig. Dabei ging es hauptsächlich um die Koordination von kulturellen und wirtschaftlichen Austauschprogrammen zwischen den USA und verschiedenen Ländern weltweit. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, auch in Bereichen wie Marketing, der Akquise und Pflege von interkulturellen Partnerschaften.

FGS: Du arbeitest inzwischen als selbständige Übersetzerin. Wo liegt Dein Fokus?

Crissy Müller: Mein Fokus liegt auf der Übersetzung deutscher Texte ins Englische im Bereich Marketing und PR. Meine Leidenschaft ist es, Personen und Unternehmen zu helfen, die sich „international“ positionieren möchten – sei es durch eine aussagekräftige Übersetzung, eine Korrektur oder durch einen komplett neu erstellten Web-Auftritt in englischer Sprache.

FGS: Die LinkedIn-Nutzung hier in Deutschland und den USA. Da gibt es ja doch ein paar Unterschiede. Was fällt Dir da besonders auf?

Crissy Müller: In den USA ist LinkedIn das wichtigste und beliebteste Job-Suche- und professionelle Netzwerk-Portal. Hier in Deutschland ist es jetzt gross im Kommen – insbesondere bei Leuten, die ihre Karriere international ausrichten möchten.

FGS: Wie hast Du den Bewerbungsprozess in z.B. der Schweiz empfunden? Worauf kam es beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen an?

Crissy Müller: Der Bewerbungsprozess in der Schweiz ist sehr ähnlich wie in Deutschland. Was mich dort aber sehr beeindruckt hat, ist wie viel einfacher es ist, ein Geschäft zu gründen! Der Prozess ist weitaus weniger bürokratisch. Ich finde hier setzt die Schweiz ein gutes Beispiel für andere Länder.

FGS: Eigentlich bist Du ja Amerikanerin. Was kannst Du den Lesern zum Bewerben in den USA mit auf den Weg geben?

Crissy Müller: In den USA ist es genau so wichtig, eine Beziehung aufzubauen, als zu beweisen, was du kannst. Auch sehr wichtig ist es, sich durch kleine Details von der Masse abzuheben. Zum Beispiel sollte man beim Bewerben immer den Namen des richtigen Ansprechpartners finden und im Cover Letter benutzen (z.B. „Dear Mr. Smith“ ist besser als „Dear Hiring Manager“). Nach einem Bewerbungsgespräch immer einen kurzen Dankesbrief („thank-you note“) schreiben. Es dient als Zeichen der Höflichkeit und man kann es auch als eine Möglichkeit nutzen, etwas Zusätzliches zu betonen – entweder über sich selber oder wieso man für dieses Unternehmen gerne arbeiten möchte, etc. Es ist auch wichtig, konkrete Erfolge in früheren Jobs genau zu beschreiben – sowohl in der Bewerbung als auch im Bewerbungsgespräch.

Anders als in Deutschland muss man nicht automatisch ein großes Dossier inklusive Zeugnisse als Teil der Bewerbung schicken. Erstmal reicht ein Motivationsschreiben (Cover Letter) und Lebenslauf (amerikanisches Resume). Wenn der Arbeitgeber interessiert ist, wird er sich melden.

FGS: Wie unterscheidet sich ein amerikanischer Lebenslauf vom Deutschen? Bzw. gibt es noch Unterschiede zum britischen Lebenslauf?

Crissy Müller: Auf einem amerikanischen Lebenslauf gibt es nie ein Foto und man schreibt auch nie persönliche Details wie Geburtsdatum, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Zivilstand oder ob man Kinder hat. Der amerikanische Lebenslauf ist mehr ein gezieltes Marketing-Tool, angefangen mit einem Kurzprofil (genau abgestimmt auf die Stelle). Man kann auch besondere Kompetenzen und Erfolge („skills and achievements“) aufzählen.

Man sollte 1-2 Seiten nicht überschreiten – nur die wichtigsten und relevantesten Erfahrungen sollten enthalten sein. Zum Beispiel, ist es für den Arbeitgeber nicht wichtig, auf welchem Gymnasium man war – daher schreibt man lediglich wo und was man studiert hat.

Ein britisches CV (Curriculum Vitae) war früher ähnlich mit einem deutschen Lebenslauf – sehr ausführlich und hat ein chronologisches Format. Heutzutage ist ein britisches CV auch kürzer und gezielter. Auf jeden Fall sollten Sie nicht vergessen, auf britisches oder amerikanisches Englisch zu achten, je nach dem, wo man sich bewirbt.

Ich bin ja ein Fan vom Thema interkulturelle Kommunikation. Da Du hier studiert hast, ist das Leben in Deutschland nicht ganz so neu für Dich. Dennoch, was ist für Dich typisch Deutsch – im Sinne von Kommunikation, Nutzung von sozialen Netzwerken etc. ?

Crissy Müller: Der klassische Unterschied im Bereich „Kommunikation“ ist, dass in Deutschland Direktheit sehr geschätzt wird (ich glaube, da es effizienter ist), während in den USA Höflichkeit und Kooperation wichtiger sind. Deshalb ist dort die Kommunikation eher indirekt.

Ich glaube aber in einer digitalen Welt werden manche Unterschiede weniger – im Bereich Marketing ist der Ton und Stil der Kommunikation ähnlicher denn je. Denn überall geht es heutzutage um Storytelling und wie man die Aufmerksamkeit der Zielgruppe in einer Umgebung mit viel Konkurrenz und vielen Ablenkungen einfängt. Die Sprache wird dann automatisch persönlicher und informeller – egal ob es nun die deutsch oder englische Sprache ist.

 

Mit Crissy Müller (links) im Oktober 2018 auf der HerCareer-Messe.